Von Pädagogen und Forscherinnen, Dokumenten und Archiven

Wie wird die Medienbranche wissenschaftlich begleitet, welche Schussfolgerungen werden gezogen? Was sind Forschungsgebiete und wo liegt die praktische Anwendung?

Überblick

Trockene Wissenschaft ?


„An Weihnachten fesselt eine anderes Fernseherlebnis ihre ganze Aufmerksamkeit. Wir filmen mit Video die Bescherung und zeigen Rebecka zu einem späteren Zeitpunkt die Aufnahmen. Mit großer Anteilnahme schaut sie sich die Szenen an, wie sie ihre Päckchen auspackt. Immer wieder will sie „Päckchen auspacken“ sehen.. Wir präsentieren ihr weitere Videoszenen ihrer Biographie. Anfangs will sie Bilder von sich als Baby nicht sehen. Sie geht erst mal davon aus, dass dieses Baby nichts mit ihr zu tun hat. Nach einiger Zeit wird ihr deutlich, dass sie das Baby selber ist und möchte auch „Becky-Baby“ sehen. Vermutlich erfährt sie über Video zum ersten Mal die irritierende Erfahrung, dass Dinge wie „Geschenke auspacken“ vorbei sind, aber gleichwohl über die Erinnerung rekonstruierbar sind, einerseits über das Gedächtnis, andererseits über die Eingriffmaschine „Video“. Wir halten es für denkbar, dass bei ihr eine erste Ahnung (Irritation) von dem, was wir „Zeit“ nennen, ausgelöst wird. Zum gleichen Zeitpunkt taucht bei ihr der Begriff „Raum“ auf...“ (4/98)
In der Zeitschrift für Medienpädagogik medien praktisch können die Leserinnen seit 1995 verfolgen, wie sich Rebecka und Miriam von Säuglingsbeinen an mit der großen Medienwelt vertraut machen. Protokolliert wird die kindliche Erkundung von den sachkundigen Eltern, ihres Zeichens Medienwissenschaftler.
Daneben sind in medien praktisch Hintergrundtexte, Rezensionen neuer Filme und CD-Roms, usw. nachzulesen. medien praktisch versteht sich als Fachzeitschrift für Medienpädagogik, Medientheorie und Kommunikationskultur, die die Medienentwicklung kritisch, aber ohne „bewahrpädagogische Ressentiments“ verfolgt.
(www.gep.de/medienpraktisch)

Medienwissenschaften

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Die Medienwissenschaften haben sich in den letzten Jahrzehnten aus zunächst getrennten Ansätzen in den Literaturwissenschaften und den Publizistikwissenschaften entwickelt. Werner Faulstich vom Lüneburger Institut für angewandte Medienforschung spricht deshalb vom Konzept der Medienwissenschaften als „Integrationswissenschaft, die kommunikationssoziologische, publizistikwissenschaftliche, historisch-kritische, geisteswissenschaftlich-philologische Ansätze multiperspektivische, methodenpluralistische, gegenstands- und problemfeldbezogen zusammenbringt.“ Dabei sei zugleich der Prozess einer kontinuierlichen Ausdifferenzierung und Spezialisierung des Gegenstandsbereichs der Medienwissenschaft zu beobachten, Buchwissenschaft, Theaterwissenschaft, Filmwissenschaft, Computerwissenschaft u.s.w..
Medienwissenschaften befassen sich unter anderem mit der Wahrnehmung von Medien, mit ihrer Wirkung, mit der Herstellung von Medien, mit der Struktur der Branche. Methode ist eine kritische, auswertende Betrachtung, Ziel die Beschreibung der Realität und Formulierung von Theorien. Wichtig ist: Es geht im Kern nicht darum, Medien herzustellen.

Professorin Irmela Schneider vom Kölner Institut der Theater- Film und Fernsehwissenschaften formuliert das so: „Wir sind ein Institut mit einem klaren wissenschaftlichen Profil. Medienpraxis selbst ist nicht Gegenstand der Ausbildung an der Universität zu Köln.“ Sie rät Studieninteressierten, sich genau zu informieren, denn viele Erstsemester gingen davon aus, an einer Einrichtung zu studieren, die mit einer Filmhochschule vergleichbar sei, wo man Regie, Drehbuch oder Regie studieren könne. „Es schafft nur Verdruss auf allen Seiten, wenn Erwartungen und Realität auf Dauer nicht zusammenkommen“, beschreibt Professorin Schneider ihre Erfahrungen.

Die Anwendung der wissenschaftliche Forschungsergebnisse kann viel vielfältig sein:
  •  medienpädagogische Erkenntnisse werden in der Bildungsplanung für Kindergärten, an Schulen und Hochschulen, in der Erwachsenenbildung umgesetzt
  •  Wahrnehmungsforschung dient als Grundlage für gezielte Aktivitäten der Werbebranche
  •  Die Erforschung von Sicherheitslücken bei IT-Systemen kann bei der Implementierung neuer Software berücksichtigt werden
  •  Analysen der Medien-Branche geben Politikern Hinweise für ihre medienpolitischen Initiativen
 
Zum Bespiel: Forschung

Das FORMATT-Institut hat 1999 eine Studie über die deutsche Produzenten-Landschaft erstellt. Auftraggeber ist die Staatskanzlei des Landes NRW, die daraus Schlüsse für die Ausrichtung ihrer Medienpolitik ziehen kann: „Das vorliegen Forschungsprojekt war von Anfang an auf die Erkenntnisbedarfe der Medienpolitik zugeschnitten und auf Nordrhein-Westfalen focussiert, ohne dabei die bundesweiten Bezüge zu vernachlässigen. Die Ergebnisse erlauben neue Bewertungen der Produktionsentwicklung und lenken die Medienpolitik auf neue Fragestellungen.“, schreiben die Autoren im Vorwort.
So beschreibt die Studie Konzentrationstendenzen: „auffallend ist insbesondere, dass die führenden Unternehmen der Branche durch Zukäufe wachsen und nicht etwa kleinere Unternehmen durch Fusionen und Beteiligungen an Größe zulegen.“
Ausführlich werden die Auftragsproduktionen nach Genres analysiert und die großen Standorte verglichen. Danach nimmt NRW in den Bereichen Show und Game-Show Spitzenpositionen ein, auch Talk-Shows und Comedy werden zu einem hohen Prozentsatz in NRW produziert. Spitzenreiter bei der Fiction-Produktion sind Berlin und Bayern, Hamburg liegt beispielsweise bei der Produktion von journalistischen Langformaten vorne.
Dies hat natürlich auch Konsequenzen für den Arbeitsmarkt, denn die einzelnen Formate haben spezifische Produktionsstrukturen und unterscheiden sich in der Zusammensetzung der Mitarbeiter-Teams.  

Zum Beispiel: Anwendung in der Praxis

1999/2000 wurde vom Adolf-Grimme-Institut in Kooperation mit dem WDR das Projekt „Jugenddialog Hörfunk und Umwelt“ durchgeführt. Ausgangspunkt war die Frage, wie Jugendliche für Umweltthemen interessiert werden können. Dafür wurde nicht zufällig das Medium Radio gewählt. Jugendliche zwischen 14-19 Jahren nutzen im Durchschnitt täglich rund fünf Stunden elektronische Medien. Davon entfallen130 Minuten auf das Radio. (Gefolgt von 124 Minuten fürs Fernsehen, 55 Minuten für Schallplatten/Kassetten/ CD, usw.)
Hörfunk hat also eine besondere Bedeutung für die jeweils heranwachsende Generation, wie der Leiter der Abteilung Medienforschung des Südwestrundfunks, Walter Klingler feststellte.
Diese Vorliebe für Radio galt es nun in den Dienst des Umweltengagements zu stellen. In der Projektdokumentation finden sich zahlreiche Bespiele, die Ökothemen erfolgreich präsentiert werden können, von der Reportage über das Ende eines Gen-Schokoriegels bis zu Schülern als Öko-Detektiven.
Aus den Erfahrungen wurden abschließend Empfehlungen formuliert, wie: „Emotional, persönlich, authentisch, so könnte vielleicht die (Geheim-) Formel: für erfolgreiche Jugend-Kommunikation lauten.“  

Berufsbeispiele



Medienpädagoge/ Medienpädagogin


Medienpädagogen vermitteln die Kenntnisse und Fähigkeiten, mit Medien umzugehen, sie souverän zu nutzen. Der zentrale Begriff ist hier Medienkompetenz- die natürlich für Kinder im Kindergarten anders zu definieren ist wie für Schülerinnen und Schüler oder Erwachsene. Medienpädagogen arbeiten in Schulen und Jugendeinrichtungen, sie erstellen in Verlagen zielgruppengerechte Medienprodukte oder sind beratend in öffentlichen Einrichtungen tätig. Von der Medienaufsicht bis hin zur Medienwissenschaft, von der Konzeption von Kulturangeboten bis zur Unterstützung von Eltern und Lehrern ist das mögliche Tätigkeitsfeld weit gespannt. Neben medienpädagogischen Schwerpunkten in allgemeinen Pädagogik-Studiengängen gibt es einige grundständige Medienpädagogikstudienangebote.

Marktforscherin/ Marktforscher

Die Mediennutzung ist auch Gegenstand der Marktforschung. Schließlich wollen zum Beispiel die Werbekunden der Fernsehsender wissen, wer welche Sendungen sieht und welche potentiellen Kunden mit Werbespots erreicht werden können. Die Quoten, die einzelne Sendungen erreichen werden ausgewertet und nach Zielgruppen gewichtet. Kosmetikfirmen suchen für ihre Werbung ein anderes „redaktionelles Umfeld“ wie etwa Autohersteller oder die Süßwarenindustrie. Marktforscher erheben Mediendaten und werten sie für ihre kommerziellen Kunden aus. Sie können einen psychologischen oder sozialwissenschaftlichen Hintergrund haben, andere kommen aus der Werbebranche oder haben eine betriebswirtschaftliche Qualifikation.

Fachangestellte/r für Medien- und Informationsdienste

Dieses neue Berufsbild hat die Bibliotheksassistenten ersetzt und die Ausbildungsinhalte in Bezug auf die elektronischen Medien erweitert. Die Fachangestellten arbeiten in Archiven, Bibliotheken, Agenturen, Museen, Krankenhäusern und Versicherungen. Sie sind im Öffentlichen Dienst, oder in der Privatwirtschaft tätig. Ihr Einsatzort kann sowohl eine Stadtbücherei wie ein wissenschaftliches Spezialarchiv oder eine Bildagentur sein. Ihre Aufgabe ist es, Medien (also Bücher, Zeitschriften, CD-ROM usw.) zu beschaffen und auszuwerten. Sie recherchieren in Datenbanken und verwalten Datenbestände. So erschließen die Fachangestellten die gesammelten Informationen für die Kunden und Benutzer und beraten diese. Die Fachangestellten spezialisieren während ihrer Ausbildung in den Fachrichtungen: *Archiv, *Bibliothek, *Information und Dokumentation, *Bildagenturen, * Medizinische Dokumentation. Mehr.


Berufsliste


Aus- und Weiterbildungsangebote
(Verknüpfung mit Datenbank)


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