Medien im Berufsalltag

Die Expertise "Digital Natives auf dem Weg in den Beruf" ist veröffentlicht.

Medien gehören zum Arbeitsalltag. In nahezu jedem Beruf werden Computer in irgendeiner Form eingesetzt, wird übers Internet recherchiert und kommuniziert. Unbestritten ist deshalb, dass auch Auszubildende lernen müssen, mit Medien kompetent umzugehen. Einerseits, um sich im Beruf erfolgreich bewegen zu können, andererseits, um ihr persönliches Leben in einer medial geprägten Gesellschaft eigenständig zu gestalten.

"Ohne geht es gar nicht. Ich könnte mir ohne diese Geräte kein richtiges Leben vorstellen." Berufsschüler

Im Auftrag der Landesanstalt für Medien NRW ist AIM im Jahr 2009 der Frage nachgegangen, wie Medienkompetenz in der Berufsausbildung vermittelt wird. Anhand von drei exemplarischen Ausbildungsberufen - Bürokaufleute, Bäcker/innen, Mediengestalter/innen Digital und Print - wird untersucht, welche Rolle Medien im Alltag der Auszubildenden spielen und wie das Thema in der Berufsschule behandelt wird. Insgesamt absolvieren in NRW über 330 000 junge Menschen eine Ausbildung in einer der über 350 Ausbildungsberufe.

"Ist die Internetadresse international, wird statt 'de' das Kürzel 'com' angegeben." Schulbuch für Bäcker/innen

Vor den Einblick in die Praxis haben die Götter die Auseinandersetzung mit der Theorie gesetzt. Im Rahmen der Expertise werden deshalb zunächst die inhaltlichen Dimensionen der Medienkompetenz, die Erkenntnisse über Mediennutzung von Jugendlichen/jungen Erwachsenen und der Stellenwert von Medien in Ausbildungsverordnungen, Lehrplänen und Schulbüchern behandelt. In den Berufsschulalltag führt danach eine Übersicht über Projekte und Initiativen an Berufsschulen in NRW, durch die Medienkompetenz vermittelt wird.

"Es gibt nichts, was 100%ig stimmt." Berufsschüler - "Gelogen wird immer." Berufsschülerin

Was SchülerInnen und Lehrkräfte im Alltag erfahren, hat das Rechercheteam dann über Gespräche mit Berufsschulklassen, mit Lehrer/innen und anhand von Fragebögen ermittelt. Ergänzt und kommentiert werden diese Einschätzungen durch Interviews mit Medienpädagog/innen und Bildungsplaner/innen.

"Wer sich mit den Mitteln der modernen Kommunikation nicht auskennt, der liefert sich aus, der macht sich manipulierbar und zum Spielball. Das versuche ich den Schülern zu vermitteln." Berufschullehrer

Zu den Befunden: Medien spielen im Alltag der Auszubildenden erwartungsgemäß eine große Rolle. Dabei nutzen sie die Medien am intensivsten, denen sie das geringste Vertrauen entgegen bringen. Über strukturierte Kenntnisse, wo sie sich bei Problemen (Kostenfallen, Mobbing) Hilfe holen können, verfügen sie kaum. Auch die angehenden Mediengestalter kennen entsprechende Informations- und Beratungsangebote eher selten, obwohl Einige bereits innerhalb ihrer Ausbildung mit problematischen Projekten (etwa im Bezug auf Kinder/Jugendliche) zu tun haben.

"Wenn meine 13-jährige Schwester etwas im Internet einträgt, stehe ich daneben." Berufsschülerin

Die Lehrkräfte verfügen über sehr unterschiedliche Erfahrungen und Fachkenntnisse. Alle jedoch wünschen sich einschlägige Fortbildungen und Unterrichts-/Lehrmaterial. Insbesondere bei Praxisprojekten muss die spezifische Lernsituation in Berufsschulen berücksichtigt werden. Aber auch die Rolle der Prüfungsfragen als "heimliche Lehrpläne" sollte diskutiert werden.

"..man weist ansonsten nur darauf hin, dass es gefährlich sein kann." Berufschullehrer

Die Ergebnisse der Expertise münden in Handlungsempfehlungen, wie die Vermittlung einer umfassenden Medienkompetenz im Rahmen der Berufsausbildung gestärkt werden kann. Dabei gibt es die inhaltlich-strategische Ebene (Verankerung in den Rahmenlehrplänen und Ausbildungsverordnungen, Ausbildung der Lehrer/innen)und die Ebene der Schulpraxis (Ausstattung, Fortbildung, Modellprojekte). Insgesamt - so ein Fazit - muss die Vermittlung von Medienkompetenz in der dualen Erstausbildung systematischer erfolgen, dafür ist ein konzeptioneller und fächerübergreifende Ansatz erforderlich.

"Das Hinterfragen der Medien, der Bilder, die uns bestimmte Zusammenhänge oder Geschehnisse suggerieren, müssen Schüler/innen lernen, das ist gelebte Demokratie." Bildungsplaner

Auf der Internetseite der Landesanstalt für Medien NRW kann der komplette Text der Expertise "Digital Natives auf dem Weg in den Beruf - Integration von Medienkompetenz in die Duale Erstausbildung" des Autorenteams Bettina Baum, Thomas Welsch, Anne Schulz ab sofort kostenfrei abgerufen werden.

www.lfm-nrw.de


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