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Arbeitsfelder: Technisch-kreative Gestaltung
Interview
Niels Maier - Oberbeleuchter
Der Einstieg
AIM: Wie bist Du zu Deinem Beruf gekommen?
Niels Maier:Reingerutscht. Eine witzige Geschichte: Ich habe mit 17, 18 Autos verkauft, irgendwann eine Ausbildung als Modedesigner gemacht, genäht und viele Klamotten verkauft. Mir hat aber die Branche nicht gefallen. Und dann habe ich als Aufbauhelfer in einer großen Discothek in Köln angefangen und bin sehr schnell beim Licht gelandet. Da ging es um reines Effektlicht. Das war ein Riesenspaß: Nachts mit Freunden die Disco zu mischen. Jeden Abend Party. Über diese Schiene habe ich die Firma kennengelernt, die das Licht erstellte. Die haben mich dann relativ gut und schnell als Lichtroadie ausgebildet. Danach habe ich als eine Art Lichttechniker Messen betreut und Lichtdesign für Rock’n Roll-Konzerte und Musikvideos gemacht. Irgendwann ging das auseinander mit dieser Firma, ich brauchte einen neuen Job und habe dann ein paar Produktionen als Studiobeleuchter betreut, was superlangweilig war.

AIM: Warum?
Maier: Weil man den ganzen Tag rumsitzt, in der schlechten, trockenen Studioluft - das ist im Winter traumhaft, weil es warm ist - aber im Grunde genommen ist es totlangweilig. Als Studiobeleuchter sitzt man 90 Prozent der Zeit herum. Für mich war das nichts. Das wird mir sehr schnell sehr langweilig. Ich wurde dann von Alfred Biolek angesprochen, seine Hurra Deutschland-Puppengeschichte zu machen, hatte zu dem Zeitpunkt aber vom Film und szenischer Beleuchtung, von Tuten und Blasen keine Ahnung, genauso wie die Produktionsfirma. Wir haben mit einem ganz kleinen Team angefangen: Zwei Puppenspieler und ein Beleuchter. Das ging natürlich in die Hose, und so wurde ziemlich schnell um uns herum ein professionelles Team gecastet, ein guter Kameramann, ein Regisseur... Ich hatte das große Glück, daß der Kameramann mir vieles beigebracht hat. Dann habe ich auch noch einen Regieassistenten kennengelernt, der auch schon länger in der Branche war. Der fand unsere Art und Weise zu arbeiten gut und hat mich dann bei einer Spielfilm-Produktion empfohlen. Das war meine erste Oberbeleuchtung bei einem Kinofilm.

Tätigkeit
AIM: Was macht ein Oberbeleuchter?
Maier: Ganz unterschiedliche Dinge. Das hängt immer vom Projekt ab, an dem man gerade arbeitet. Wenn man zum Beispiel eine Reality-TV Geschichte wie z.B. "Notruf" macht, ob man in einem Studio arbeitet, als Oberbeleuchter für Game-Shows oder in einer szenischen Produktion für Filmaufnahmen eingesetzt ist oder ob man on location beim Film arbeitet - das sind völlig verschiedene Bereiche. Grundsätzlich betreut der Oberbeleuchter das Licht. Das ist wiederum abhängig von den Kameraleuten, mit denen man arbeitet. Es gibt Kameraleute, die haben eine genaue Vorstellung. Da ist man dann als Oberbeleuchter reine Exekutive, derjenige, der die Lampe X von hier nach dort trägt und sie dann in zwei Meter Höhe installiert. Das sind die eher undankbaren Aufgaben. Befriedigender ist es natürlich wenn der Kameramann den Oberbeleuchter in seine Arbeit einbezieht. Das kann in jedem Bereich passieren, bei einer Reportage beispielsweise, aber genausogut bei einer teuren Spielfilmproduktion. Egal wie das Equipment immer aussehen mag, ob man nur eine Akkuleuchte zur Verfügung hat oder mit zwei Tonnen Material unterwegs ist, Vorschläge für die Ausleuchtung kann man immer machen.

AIM: Läßt sich ein genaues Berufsbild entwerfen?
Maier: Nein. Das interessiert mich auch herzlich wenig. Wenn in Deutschland im Jahr 300 Spielfilme gedreht werden, dann hat man dreihundert verschiedene Anforderungen an den Oberbeleuchter. Grundsätzlich könnte man vielleicht sagen: Als Oberbeleuchter leite ich die technische Crew - man muß also die Fähigkeit besitzen, Leute zu führen. Auf der anderen Seite muß ich mich gegenüber Regie und Kamera - wobei die Kameraleute meine direkten Ansprechpartner sind - unter Umständen sehr diplomatisch verhalten. Während der Produktion ist man als Oberbeleuchter außerdem dafür verantwortlich, daß Gesetze wie Nachtruhe, Pausen etc. eingehalten werden.

Der Alltag
AIM: In welchem Stadium der Produktion fängt die Arbeit des Beleuchters an?
Maier: Das kommt immer darauf an, wie man an Projekte rankommt. Es kann durchaus passieren, daß man von Anfang an dabei ist. Wenn man zum Beispiel die Leute kennt, die einen Film drehen, kann es schon mal sein, daß man vor dem Kameramann involviert ist. Das kann zwar eigentlich nicht funktionieren, aber es passiert eben manchmal. Gang und Gäbe sollte es sein, vom Kameramann angesprochen zu werden. Ein Beispiel dafür, daß es auch ganz anders laufen kann: Wir haben gerade ein Projekt in Wien, wo mich der Regisseur zusammen mit dem Kameramann durchgedrückt hat. Das ist sehr ungewöhnlich, daß man als Kölner Crew in Österreich arbeitet. Der Regisseur hatte aber offensichtlich die Macht, das durchzusetzen...

AIM: Wie sieht der Arbeitsablauf aus?
Maier: Im Idealfall bekommt man das Drehbuch, entwickelt die Ideen und weiß schon, daß es viele Außenszenen geben wird und daß dadurch auch viele Leute gebraucht werden. Mit der vagen Vorstellung geht man dann mit Regisseur und Kameramann auf Motivbesichtigung. Bei Kinofilmen dauert das zwischen drei und sechs Tagen. Gemeinsam mit dem Kameramann wird eine Art Lichtliste entwickelt, wie man das Ganze umsetzen will, mit dem Wissen um die Motive im Hintergrund. Drei Tage vor dem Dreh lädt man den LKW, hat vorher festgelegt, was man an Aggregaten braucht. Es gibt dann noch ganz enge Kontakte zwischen dem Dolly-Grip, also dem Kamerabühnenmann und dem Oberbeleuchter und dann geht’s los zur Produktion. Eine Produktion dauert zwischen sechs und zwölf Wochen bei einem Kinofilm. Wenn die Produktion beendet ist, ruht man sich erstmal einen Tag aus, entlädt den LKW, zählt die Schäden und den Farbfolienverbrauch; und damit ist eigentlich die Arbeit des Beleuchters getan. Wenn man Glück hat, kann es passieren, daß man noch ins Kopierwerk eingeladen wird und die erste Rohschnittfassung zu sehen bekommt. Das sind aber eher so "Zuckerl", zu dem Zeitpunkt hat der Oberbeleuchter nichts mehr zu sagen.

AIM: Wie sind Deine Erfahrungen?
Maier: Es kristallisiert sich im Moment heraus, daß wir hauptsächlich die Produktionen machen, in die wir schon sehr früh einbezogen werden. Ich werde angesprochen, weil jemand meinen Input braucht, und das muß ja viel früher passieren als wenn ich jetzt nur dazu da bin, eine Lampe irgendwo hinzuhängen. Das heißt, im Moment werde ich zwischen 6 bis 8 Monate vor einem Projekt angesprochen, habe also genügend Zeit um das Buch zu lesen und die ersten Kontakte mit Regisseur und Kameramann aufzunehmen. Wenn ich andererseits dafür engagiert werde, nur Lampen aufzubauen, würde ich 3 bis 4 Wochen vorher angesprochen werden. Dann bin ich aber meistens schon ausgebucht. Im Moment geht meine Richtung dahin, hauptsächlich Projekte zu machen, in die ich mich auch einbringen kann.

AIM: Gibt es hinsichtlich des Lichts Unterschiede zwischen Film- und Fernsehproduktionen?
Maier: Für mich persönlich ist es kein Unterschied, ob ich einen Fernsehfilm oder einen Kinofilm mache. Ein Fernsehfilm ist ganz ähnlich strukturiert wie ein Kinofilm, nur alles etwas kleiner. Da werden die ersten Treffen telefonisch gemacht. Dann geht’s sehr schnell auf Motivbesichtigung. Meistens geht es dabei um rein kosmetisches Licht, heißt: Du mußt ein bißchen aufhellen, es gibt keine schrägen Motive, also muß man sich bei einem Fernsehfilm meistens nur die Nachtmotive und die Innenmotive anschauen. Von der Logistik und von dem Ablauf her ist ein Fernsehfilm genau das gleiche wie ein Kinofilm, alles nur in etwas abgespeckter Version. Du hast meistens kein Aggregat dabei, die Lkw's und die Crew ist etwas kleiner. Es gibt aber auch große Fernsehproduktionen, die mit einem Kinoaufwand gedreht werden.
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