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Technisch-kreative Gestaltung: Filmkamera
Dokumentarfilmer/in
Kurzinfo
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Wege zum Beruf
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Fachverbände / Gewerkschaften
Kurzinfo Dokumentarfilme erzählen Geschichten mit realen Filmdokumenten. Dokumentarfilme fangen, wie es Michael Rabinger ausdrückt, „wirkliches menschliches Leben und tatsächliches Geschehen“ ein. Die Vielfalt dieses Lebens spiegelt sich in der Vielfältigkeit der Themen des Dokumentarfilms wider. Im Mittelpunkt des Berichts kann ebenso eine Person (Marlene von Maximilian Schell) stehen, wie ein Ort (Buena Vista Social Club von Wim Wenders) oder historische Ereignisse (Shoah von Claude Lanzmann). Einen der ersten Dokumentarfilme drehte Robert J. Flaherty 1922 über das Leben einer Inuitfamile: Nanuk, der Eskimo. Zum Genre Dokumentarfilm zählen aktuelle Berichte, wissenschaftliche Filme, Sportfilme, ethnografische Filme, Musik- oder Propagandafilme.... Der Dokumentarfilm ist also so komplex wie die Wirklichkeit und ebenso wie diese Veränderungen unterworfen, das zeigen auch die Versuche ihn zu definieren.

Das Spektrum der Formen des Dokumentarfilms reicht von streng journalistischen Reportagen bis zu kreativ-individuellen Filmerzählungen. Das Dokumentieren der Realität muß nicht unter rein „wissenschaftlich-objektivem“ Blickwinkel erfolgen sondern kann auch die subjektive Wahrnehmung der Autoren und ihrer Helden vermitteln.
Das Thema, die Fragestellung oder der Konflikt geben dem Film sein spezifischen Charakter. Eine Naturfilm (Serengeti darf nicht sterben von Bernhard Grzimek) wird einen anderen Erzählrhythmus, einen andere Bildsprache haben als eine sozialkritische Reportage oder ein Dokumentarfilm über den Fall der Mauer (Novembertage: Stimmen und Wege von Marcel Ophüls, Goldener Grimme Preis)
Die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm meint dazu: „Denn ‚Dokumentarfilm’ meint mehr als die filmische Aufbereitung von Wirklichkeit. ‚Dokumentarfilm’ ist eine Haltung... Für uns schält sich der Begriff in der Abgrenzung zu fernsehgängiger Magazinware heraus, hebt er sich gegen den Versuch ab, die Welt in ‚Sendegefäße’ anzufüllen, wehrt sich gegen alle Bestrebungen, die Wirklichkeit ins Korsett vorgefasster Meinungen zu zwängen und alles, was stört und übersteht, durch Kommentare abzuschneiden. Dokumentarfilm ist, wenn man so will, eine Form des Widerstands gegen die Entmündigungsstrategien der Medienindustrie. ‚Dokumentarfilm’ meint Boutique statt Handelskette, meint das liebevoll gefertigte Einzelstück statt konfektionierter Serienware.“

Die Entwicklung des dokumentarischen Erzählens ist nicht abgeschlossen, sondern es entstehen laufend neue Formen, die z.B. rein unterhaltende Aspekte verstärken. So die Doku-Soap, wo über mehrere Folgen die kleinen und großen Ereignisse in einem bestimmten Personenkreis zu Geschichten montiert werden – etwa die Erlebnisse von Freundinnen in Abnehmen in Essen von Carl-Ludwig Rettinger und Claudia Richarz .
Der Regisseur Heinrich Breloer steht für das Genre des Dokudramas. Durch die ineinander verwobene Montage von dokumentarischen Aufnahmen mit Spielsequenzen werden geschichtliche Themen erzählt (Todesspiel, Die Manns – Ein Jahrhundertroman)
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Tätigkeit Dokumentarfilmer sind meist zugleich Autoren und Regisseure. Sie entwickeln einen Stoff, recherchieren Fakten, sichten Filmdokumente, suchen Interviewpartner, konzipieren die visuelle Umsetzung gemeinsam mit dem Kameramann, überwachen den Schnitt und liefern Texte. Viele Dokumentarfilmer sind außerdem Produzenten, die neben der künstlerischen auch die wirtschaftliche Verantwortung für ein Projekt übernehmen, für Finanzierung und Organisation gerade stehen. Andere sind zugleich Kameraleute oder Cutterinnen.
So übernahm Marion Kainz bei Der Tag, der in der Handtasche verschwand Buch, Regie, Kamera und Ton. Dieses Portrait einer Frau im Altenheim erhielt 2002 den Adolf Grimme Preis und den Publikumspreis der Marler Gruppe.

Nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen sind Dokumentarfilmer häufig auch in anderen Genres tätig, übernehmen tagesaktuelle Berichterstattung oder Magazinbeiträge, realisieren Imagefilme oder Werbespots. Sie arbeiten als Kameraleute, Cutter oder Produktionsleiterinnen, oder sie schreiben Artikel und Bücher. So können sie ihre Fähigkeiten - und teilweise auch das vorhandene Equipment - zwischen größeren Dokumentarfilmprojekten sinnvoll einsetzen. Auch Produktionsfirmen, die einen Dokumentarfilm-Schwerpunkt haben, sind häufig in Industrie- und Werbefilmprojekten tätig, vermieten Equipment in den sonst ungenutzten Zeiten.
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Arbeitsumfeld Bei kleineren Projekten können Dokumentarfilmer als „Rucksackproduzenten“ die vollständige Abwicklung übernehmen, bei aufwändigeren Vorhaben sind differenzierte Team- und Produktionsstrukturen erforderlich. Je nach Größe des Projektes kann ein Dokumentarfilm-Team neben der Regisseurin/Autorin bestehen aus: Kameramann, EB-Technikerin (mit Verantwortung für den Ton). Hinzu kann eine Aufnahmeleitung kommen. Möglicherweise wird im Vorfeld ein Rechercheur engagiert um Fakten zu ermitteln. Bei Dreharbeiten im Ausland kann für Interviews eine Übersetzerin hinzugezogen werden. Zur Auftraggeberseite gehören Produzentin (wenn nicht wiederum identisch mit der Regisseurin) und Redaktion. Der Schnitt wird von einer Cutterin übernommen.
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Anforderungen Dokumentarfilmer müssen über filmpraktische Kenntnisse und dramaturgisch-erzählerische Fähigkeiten verfügen. Ob der Ansatz eher ein journalistischer oder stärker ein visuell-künstlerischer ist, entscheidet sich auf Grund des persönlichen Interesses und der individuellen Begabung. Deshalb verläuft die Ausbildung an den Filmhochschulen zum Teil parallel: Der Studiengang „Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik“ bildet an der Hochschule für Film und Fernsehen München sowohl Regisseure als auch Redakteure und Autoren „für die Bereiche des dokumentarischen Journalismus, der aktuellen Berichterstattung und des realistischen Fernsehspiels“ aus.
Die Vermarktung von Dokumentarfilmen erfolgt nicht nur über Festivals und Programmkinos, nur wenige Dokumentarfilme können sich neben Spielfilmproduktionen im Kinobetrieb erfolgreich behaupten - wie der preisgekrönte Film Microcosmos von Claude Nuridsany und Marie Pérennou . Der größte Kunde der Dokumentarfilme ist inzwischen das Fernsehen. Dokumentarfilmer müssen deshalb über gute Kenntnisse der jeweiligen Sendeplätze und Programmplanungen verfügen, um ihre Projekte den Redaktionen anbieten zu können.
Zusätzlich müssen Dokumentarfilmer, die zugleich Produzenten sind, Fördermöglichkeiten kennen und Finanzierungsmodelle entwickeln. Beim Symposion „Junger Dokumentarfilm – zwischen Ausbildung und Markt“, das im Juni 2002 von der Dokumentarfilminitiative im Filmbüro NW und dem Kölner Filmhaus veranstaltet wurde, lautete eine Schlussfolgerung deshalb: „Die Vertreter des Marktes, Produzenten und vor allem Redakteure der öffentlich-rechtlichen Sender, forderten, dass die gesamte Bandbreite des dokumentarischen Genres von den angehenden und Jung-RegisseurInnen gekannt und gekonnt werden muss: von der Dokuserie, über neue Mischformen bis zum frei gestaltbaren Dokumentarfilm. Gleiches gilt für die genaue Kenntnis der dokumentarischen Sendeplätze und für die finanziellen Förderbedingungen zur Realisierung von Filmen. Der Zusammenschluss mit Produktionsfirmen wird den FilmemacherInnen dabei von Marktseite dringend angeraten. Die Redaktionen sind gleichzeitig aufgefordert, die Vielfalt dokumentarischer Formen - auch angesichts der Quotenzwänge - zu erhalten und im Programmschema neue dokumentarische Sendeplätze zu entdecken und durchzusetzen.“
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Wege zum Beruf So vielfältig wie das Genre Dokumentarfilm sind die möglichen Einstiegwege. Zu Beginn kann sowohl ein Film-Studium (z.B. Regie) als auch ein publizistisch-journalistisches Studium stehen, dies zeigen die Werdegänge erfolgreicher Dokumentarfilmer/innen. An den Filmhochschulen gibt es unterschiedliche Möglichkeiten der Spezialisierung auf Dokumentarfilm, so bei der Kunsthochschule für Medien in Köln, der Hochschule für Film und. Fernsehen in München, der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam oder der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin. Eine Synopsis der Dokumentarfilmausbildung an den Filmhochschulen in Deutschland ist bei der Dokumentarfilminitiative abrufbar.
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Literatur Eva Hohenberger (Hrsg.), Bilder des Wirklichen, Texte zur Theorie des Dokumentarfilms, Verlag Vorwerk 8, Berlin, 1998, ISBN 3-930916-13-4

Peter Kerstan, Der journalistische Film - Jetzt aber richtig , Bildsprache und Gestaltung, Zweitausendeins, Frankfurt, 2000, ISBN 3-86150-326-3

Michael Rabinger, Dokumentarfilme drehen, Zweitausendeins, Frankfurt, 2000, ISBN 3-86150-339-5

Klaus Stanjek, Renate Gompper (Hrsg.) Dokumentarfilmunterricht in Europa, Konzepte, Erfahrungen und das Modellprojekt Visions, Vistas Berlag, Berlin, 1995, ISBN 3-89158-156-4



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Fachverbände / Gewerkschaften Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm e.V. a.g.dok. - Geschäftsstelle, Schweizer Straße 6, 60594 Frankfurt, Telefon 069 / 62 37 00, Telefax 069 / 603 21 85, www.agdok.de

dfi – dokumentarfilminitiative, Leineweberstraße 1, 45468 Mülheim an der Ruhr, Tel: 0208 - 47 19 34, Fax: 0208 - 47 41 13, dfi@filmbuero-nw.de, www.dokumentarfilminitiative.de

Duisburger Filmwoche, c/o Volkshochschule, Am König-Heinrich-Platz, 47049 Duisburg,
Tel. 0203- 2 83 41 71 Fax : 0203) 2 83 41 30, filmwoche.vhs@duisburg.de, www.duisburg.de/filmwoche

Haus des Dokumentarfilms, Königstraße 1 A, 70173 Stuttgart, Telefon: (0711) 99 78 08-0, Fax: (0711) 99 78 08-20, www.hdf.de

Internationales Dokumentarfilm Festival, Trogerstraße 46, 81675 München,Tel: 089- 470 32 37, Fax 089- 470 66 11, dokfestivalmuc@aol.com, www.artechock.de/dokfestival

ver.di / IG Medien, Postfach 10 24 51, 70020 Stuttgart, tel 0711-20180, fax 0711-2018300, www.verdi.de
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