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Management: Koordination / Überwachung
Aufnahmeleitung
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Kurzinfo Einem unbefangenen Beobachter fällt bei Dreharbeiten ziemlich schnell ein Mensch mit Funkgerät und vielen Listen auf, der geschäftig hin und her läuft. Im Gegensatz zu allen anderen Teammitarbeitern, wie Kameraleuten, Beleuchtern, Schauspielern, Maskenbildnern usw. ist bei diesem viel beschäftigten Menschen nicht ganz ersichtlich, was er eigentlich tut. Mit ziemlicher Sicherheit handelt es sich dabei dann um den Aufnahmeleiter.
Die Aufnahmeleitung muß dafür sorgen, daß das, was sich die kreativen Köpfe einer Produktionscrew ausgedacht und die "harten Rechner", also die Produktionsleiter, geplant und kalkuliert haben, organisatorisch reibungslos durchgeführt werden kann. Von der Personaldisposition über Drehgenehmigungen bis hin zu Hotelbuchungen und Transporten - die Aufnahmeleitung ist für Alles und Jeden zuständig. Bei kleineren Produktionen kann die Aufnahmeleitung auch die Aufgabe übernehmen, Motive (Drehorte) zu suchen. Bei umfangreicheren Produktionen wird damit gesondert ein Location Scout beauftragt. In jedem Fall muß die Aufnahmeleitung die örtlichen Bedingungen (z.B. Lichtverhältnisse, Stromanschlüsse) überprüfen.

Änderungen im Drehplan, Wetterumschwünge, Erkrankungen, technische Defekte können dazu führen, daß selbst sorgfältig geplante Abläufe durcheinander geraten und die Aufnahmeleitung neu disponieren muß. Insofern braucht eine Aufnahmeleiterin nicht nur jede Menge organisatorisches Talent, sondern auch ein robustes Nervenkostüm und Improvisationsfähigkeit.

Peter Jarvis, der über 25 Jahre für die BBC gearbeitet hat, beschreibt dies in The essential Television Handbook so: "Jeder Programmmacher hat mit Fragen des Urheberrechtes zu tun. Jeder einzelne Drehort birgt praktische Schwierigkeiten. Jede Entscheidung, bei der es um Mitarbeiter geht, kann Probleme mit Arbeitsverträgen, mit Vertragsbedingungen, mit Gesundheitsschutz und Sicherheitsbestimmungen mit sich bringen. Es reicht nicht aus, originell und kreativ zu sein. Beim Fernsehen geht es darum, Geld und Zeit zu sparen, das Budget und die Abgabetermine einzuhalten und aus den vorhandenen Mitteln das Beste zu machen. Man muß wissen, wo Probleme entstehen können, um von ihnen nicht überrascht zu werden."

Die Zusammensetzung und die Arbeitsstrukturen unterscheiden sich von Team zu Team erheblich. Gründe dafür sind die finanziellen Möglichkeiten (und davon abhängig die Größe des Stabes), das Format, die individuellen Fähigkeiten der Mitarbeiter usw. Bei größeren Produktionen werden die einzelnen Funktionen klarer getrennt, bei kleineren Projekten können etwa Aufnahmeleitung und Tätigkeiten der Produktionsassistenz von ein und der selben Person übernommen werden. Fernseh- und Kinofilme werden an oft wechselnden Orten gedreht, während Shows und viele Serien vor allem im Studio aufgezeichnet werden - auch das hat natürlich Auswirkungen auf die Logistik und den Umfang der notwendigen Organisation.

Insofern gibt es nicht die überall praktizierte und gültige Arbeitsteilung, sondern eher häufiger anzutreffende Arbeitsstrukturen.

Je nach Größe und Art der Produktion (Kinofilm, Serie, Magazine etc.) kann so die Aufnahmeleitung gegliedert sein in:

Die erste Aufnahmeleiterin

Die erste Aufnahmeleitung übernimmt vor Beginn der Dreharbeiten zahlreiche Vorbereitungen. Bei Motivbesichtigungen überprüft sie, ob die Motive für die Produktion geeignet sind. Faktoren sind u.a. Strom, Parkmöglichkeiten, Genehmigungen, Mietkosten für Drehorte. Aber auch potentiell störende Elemente (Einflugschneisen!) müssen überprüft werden. Die erste Aufnahmeleiterin sorgt für Aufenthaltsräume für Team und Darsteller und mietet gegebenenfalls dafür Wohnwagen an. Auch müssen jeweils geeignete Räume/Wohnwagen für Maske, Garderobe und Requisiten vorhanden sein. Hotelbuchungen für Team und Darsteller müssen vorgenommen werden. Die erste Aufnahmeleiterin mietet Produktionsfahrzeugen an und organisiert alle notwendigen Transporte. Bei Auslandsreisen sind teilweise komplizierte Vorbereitungen bei Visa, Zoll, Drehgenehmigungen und Arbeitserlaubnissen notwendig, die unter Umständen von Dienstleistern in den jeweiligen Ländern abgewickelt werden. Mit Ausnahme von dem Equipment für Kamera, Ton und Licht mietet die Aufnahmeleiterin alle für die Dreharbeiten erforderlichen Geräte an. Sie kümmert sich um die Drehgenehmigungen- eine regelrechte "Wissenschaft" für sich, da nicht nur die Zuständigkeiten von Stadt zu Stadt, von Landkeis zu Landkreis anders geregelt sein können, sondern auch häufig die Einwilligungen von Privateigentümern eingeholt werden müssen. Die Aufnahmeleiterin muß außerdem bei der Planung die gesetzlichen Bestimmungen (z.B. Kinderarbeit, Nachtarbeit) beachten. Je nach Produktion kann die erste Aufnahmeleitung auch die Aufgabe haben, Komparsen zu engagieren. Und - last not least - muß die Verpflegung, also das Catering, geplant werden.

Die erste Aufnahmeleiterin erstellt auf Grundlage der Vordisposition die Tagesdispositionen. Die erste Aufnahmeleiterin arbeitet auch während der Dreharbeiten von ihrem Büro aus und ist nur dann am Drehort, wenn sie konkrete Absprachen mit dem Team treffen muß. Die erste Aufnahmeleiterin wird in den USA deshalb auch als Production Office Coordinator/ POC bezeichnet.

Nach den Dreharbeiten überwacht die erste Aufnahmeleiterin die Rücklieferung von Geräten und Fahrzeugen. Und sie ist für die Abwicklung von möglicherweise eingetretenen Schadensfällen zuständig.

Die zweite Aufnahmeleiterin oder Set-Aufnahmeleiterin

Die Set- Aufnahmeleitung nimmt ihre Arbeit erst kurz vor Drehbeginn auf. Sie wickelt nach den Anweisungen der ersten Aufnahmeleiterin am Drehort alle organisatorischen Erfordernisse ab. Die zweite Aufnahmeleiterin trägt in den USA den Namen Location Manager.

Am Drehort besichtigt sie morgens alle Arbeitsräume, den Drehort, die Parkplätze. Sie überprüft, ob alle Teammitglieder, die Geräte und das Material rechtzeitig zur Stelle sind. Sie gibt die organisatorisch notwendigen Informationen, nach Absprache mit der Regisseurin (Auflösungsgespräch) und der Regieassistentin, an die jeweiligen Teammitarbeiter weiter. Während der Drehtages koordiniert sie die Produktionsfahrer und die Transporte. Bei Straßensperrungen hält die Aufnahmeleiterin Kontakt zur Polizei und gibt den "Absperrern" die Anweisungen, wann Passanten und Autoverkehr nicht passieren dürfen.

Sie überwacht die Einhaltung der disponierten Zeiten, sorgt für das Catering und die vereinbarten Pausen. Während die Regieassistentin immer in engem Kontakt mit Regie und Kamera ist, koordiniert die Aufnahmeleiterin den übrigen Stab. Nach jedem Drehtag organisiert die Aufnahmeleiterin den Transport des belichteten Filmmaterials und der Tonbänder zum Kopierwerk. Sie sorgt dafür, daß die Drehorte vereinbarungsgemäß verlassen und keine Geräte vergessen werden.

Mit Ende der Dreharbeiten hat die Set-Aufnahmeleiterin ihre Aufgabe erfüllt.


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Tätigkeit Die Aufnahmeleiterin ist der Produktionsleitung nachgeordnet. Bevor die Dreharbeiten beginnen, erstellt die (erste) Aufnahmeleiterin in Zusammenarbeit mit der Regieassistentin eine umfassende Vordisposition. Die Vordisposition setzt das Drehbuch in einzelne Drehtage mit entsprechender Drehplanung um. Diese Drehplanung wird mit dem Produktionsleiter und der Regisseurin abgestimmt.
Auf der Grundlage der Vordisposition werden die organisatorischen notwendigen Einzelschritte umgesetzt. Drehgenehmigungen werden eingeholt. Der Einsatz von Personen und Material wird geplant. Hotelbuchungen und Transporte müssen in allen Einzelheiten organisiert werden. Bei der Anmietung von Geräten, dem Kauf von Material, bei Hotelbuchungen und Transporten, beim Engagieren von Komparsen usw. muß die Aufnahmeleiterin die Einhaltung des kalkulierten Budgets im Auge haben. Für jeden Tag wird eine Tagesdisposition erstellt, aus der alle Teammitglieder ihren Einsatzort, den Zeitplan und ihre Aufgaben ersehen können.

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Arbeitsumfeld Die Aufnahmeleiterin erhält die finanziellen und organisatorischen Rahmendaten von der Produktionsleitung. Künstlerisch relevante Fragen müssen mit der Regisseurin, dem Kameramann oder der Szenenbildnerin abgesprochen werden. Die Regieassistentin ist in der Umsetzung wichtig. Gleichzeitig ist die Aufnahmeleiterin Ansprechpartner für alle Teammitglieder, wenn es um organisatorische Fragen geht.
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Anforderungen Die Aufnahmeleiterin muß mit den Abläufen einer Film- oder Fernsehproduktion vertraut sein und braucht viel organisatorisches Talent, um alle Anforderungen unter einen Hut bringen zu können. Verhandlungsgeschick, Geduld, stabile Nerven, Improvisationsvermögen sind erforderlich, um den immer wieder neuen Aufgaben gerecht werden zu können. Bei grösseren Produktionen oder multinationalen Teams werden häufig gute Englischkenntnisse vorausgesetzt.
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Wege zum Beruf Die Wege zum Beruf sind vielfältig. Eine kaufmännische Ausbildung bietet in jedem Fall eine gute Grundlage. Ein möglicher Weg wäre: kaufmännische Ausbildung (z.B. als Kauffrau für audiovisuelle Medien), Praktika, Assistenz der Aufnahmeleitung, Set-Aufnahmeleiterin, erste Aufnahmeleiterin.
Die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten bieten Volontariate für Aufnahmeleiter an, Zugangsvoraussetzung dafür ist u.a. eine abgeschlossene kaufmännische Ausbildung.

Erfahrene Aufnahmeleiter können sich bei entsprechenden betriebswirtschaftlichen Kenntnissen zu Produktionsleitern und dann zu Herstellungsleitern weiterentwickeln.


Zur Aus- und Weiterbildungs- Datenbank
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Literatur Bundesverband der Fernseh- und Filmregisseure (Hrsg.), Regie Guide, Regie, Assistenz, Continuity, Bundesverband der Fernseh- und Filmregisseure in Deutschland e.V.; Kaiserstr. 39, 80801 München

Bundesverband Deutscher Fernsehproduzenten e. V. (Hrsg.) Jahrbuch 98, Vistas Verlag, Berlin, 1998

Bundesverband Produktion (Hrsg.) Production Guide, Jahrbuch des Bundesverbandes Produktion e.V., Türkenstr. 89, 80799 München

Clevé, Bastian Film-, Fernseh- und Multimedia-Finanzierungen, Bleicher Verlag, Gerlingen, 1996

Clevé, Bastian, Von der Idee zum Film, Produktionsmanagement, Bleicher Verlag, Gerlingen, 1998

Drees, Peter, Vor Drehbeginn, Planung von Film- und Videoproduktionen, Drei-R-Verlag, Berlin, 1991

Gumprecht, Hans-Peter Ruhe bitte! Aufnahmeleitung bei Film und Fernsehen UVK Medien Verlag Konstanz

Harlieb, Horst von, Handbuch des Film-, Fernseh-, und Videorechts, C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung, München, 1984

Hoeren, Thomas/ Muth, Susanne (Hrsg.), Textbuch Filmrecht, edition filmwerkstatt, Essen 1997

Iljine, Diane/ Keil, Klaus, Der Produzent, TR-Verlagsunion, München, 1997

Jarvis, Peter, The Essential Television Handbook, Focal Press, Butterworth- Heinemann, Oxford 1996

Kließ, Franciska, Produktion von Fernsehserien, ZDF-Schriftenreihe, Heft 43, Mainz, 1992

Rowlands, Avril, Film Script, Ein Handbuch für Regisseure, Aufnahmeleiter und deren Assistenten, Reil & Gottschalk, Köln, 1998

Ward, Elisabeth/ Silver, Alain, The Film Director's Team, A practical guide for Production Managers, Assistent Directors and all filmmakers, Silman-James Press, Los Angeles, 1992

Professional Production, Erscheinungsweise: 10 Ausgaben jährlich, EuBuCo Verlag, Landsberg, Abonnement: Chmielorz Verlag, Wiesbaden, tel 0611-360 98 58


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Fachverbände / Gewerkschaften Bundesverband Produktion e.V. Verband der Herstellungsleiter(innen), Produktionsleiter(innen),Filmgeschäftsführer(innen), Aufnahmeleiter(innen) und Produktionssekretärinnen,
Domagkstraße 33, Haus 75/I, 80807 München
Tel.: 089/ 30 72 62 66, Fax: 089/ 30 72 62 67
E-Mail: info@bv-produktion.de, www.bv-produktion.de

Büro Köln:c/o B.Speck, Ricarda-Huch-Weg 9, 41469 Neuss, tel 02137-4411, fax 02137-8218, www.bv-produktion.de
IG Medien, Postfach 10 24 51, 70020 Stuttgart, tel 0711-20180, fax 0711-2018300, www.igmedien.de

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