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Arbeitsfelder: Technisch-kreative Gestaltung
Interview mit Axel Block - Filmkameramann und ehemaliger Professor an der Fachhochschule für Design, Dortmund
 
Axel Block

Filmkameramann und ehemaliger Professor an der Fachhochschule Dortmund, Fachbereich Design.

Herr Block ist vor kurzem als Dozent an der Fachhochschule ausgeschieden. Das Special basiert auf einem Gespräch, daß wir Anfang 1997 mit ihm führten.

Axel Block   AIM: Wie sind sie zum Beruf des Kameramannes gekommen?

Axel Block: Ich habe mit 13 als Filmamateur angefangen. Damals konnte ich mir die Aufgabenteilung zwischen Kamera und Regie überhaupt nicht vorstellen. Und so habe ich mich für den Kameramann entschieden und als Einstieg eine Fotografenausbildung gemacht. Dabei merkte ich schon, daß es beim Film doch noch mehr Leute als den Kameramann gibt.
Ich bin dann nach München an die Filmhochschule gegangen und wollte Regie studieren, da ich aber diese fotografische Vorbildung hatte, war ich mehr oder weniger dazu verdonnert, für die anderen Filme zu drehen. Als ich fertig war, wurden mir die Schwierigkeiten des Regiebereichs bewußt - wie sehr man auf eigene Einfälle warten muß - und da habe ich mich daran erinnert, daß ich ja auch ziemlich viel Kamera gemacht habe. Nach zwei Jahren rumjobben in allen möglichen Bereichen (Aufnahmeleitung, kleinere Regiesachen und so weiter) habe ich mich dazu entschlossen, jetzt erst einmal eine Sache richtig zu machen, und das sollte die Kameraarbeit sein.

Aufgaben des Filmkamera-
mannes

? Was ist das Spezifische an der Arbeit des Filmkameramannes?

! In Deutschland - das ist nicht in allen Ländern so - hat der Kameramann eigentlich hauptsächlich zwei Aufgaben: Die erste ist die Bildgestaltung, also die optische Arbeit an einem Film, bei der er sehr stark mit dem Regisseur und teilweise auch mit dem Ausstatter eines Films korrespondiert. Klassischerweise wird bei uns oft eine Szene vom Regisseur durchgestellt, und anschließend sagt der Kameramann, wie er sich die Umsetzung vorstellt. Man diskutiert noch mal darüber, und dann wird gedreht. Seltener finden diese Besprechungen vorab statt; das gibt es zwar auch, das ist aber eine ganz andere Möglichkeit.
Die zweite Aufgabe ist die des Lichtsetzens, der Lichtführung. Dabei arbeitet man eigentlich ziemlich alleine. Es gibt kaum Regisseure, die dabei Vorgaben machen. Da sind es eher Beleuchter oder Oberbeleuchter, die Ideen einbringen. Aber eigentlich ist dieser Bereich mehr oder weniger das autarke Arbeitsfeld von Kameraleuten, in einigen Ländern ist es sogar das ausschließliche.

? Was ist das Spannende an Ihrem Beruf?

! Daß man aus einem bestimmten Milieu, einer bestimmten Dekoration fast unendlich viele Situationen, Stimmungen und Atmosphären erzeugen kann - mit Licht. Und daß man in der optischen Arbeit sehr großen Einfluß auf das Tempo und das gesamte Erscheinungsbild eines Films nehmen kann.

? Das ist mir ein bißchen zu theoretisch. Wie sieht das in der Praxis aus: Erfahren Sie als Kameramann wirklich eine ungeheure Akzeptanz?

! Das hängt davon ab, wie sehr der Regisseur in diese optische Arbeit eingreifen will. Jemand hat mal gesagt, der Kameramann ist für die Atmosphäre eines Films zuständig. Wenn inszeniert wird und ich als Kameramann das Inszenierte sehe, dann kann ich schon Akzente setzen. Ich kann zum Beispiel sagen: "Wir haben doch beim letzten Dreh an einem bestimmten Punkt aufgehört, jetzt könnte man so und so auch gut wieder anfangen", oder: "Die Szene wollten wir doch eigentlich ganz ruhig erzählen, wollen wir nicht mit der Kamera da eine gewisse Unruhe reinbringen?...". Es gibt sehr viele Möglichkeiten, den Erzählfluß überhaupt erst herzustellen bzw. zu verändern. Und auch beim Lichtsetzen gibt es unterschiedliche Ideen z.B.: "Wir arbeiten bei dieser Einstellung mit Neonlicht, aber man könnte jetzt genausogut mit Sonnenlicht arbeiten, die Vorhänge zumachen, auflassen...".

Kreativität = freie Hand bei der Umsetzung?

? Haben Sie dabei uneingeschränkt freie Hand?

! Wenn ein Film funktionieren soll, dann wird man zumindest Rücksicht nehmen, wenn nicht sogar stark mitdenken müssen bei der Dramaturgie und bei der Erzählweise. Ich kann natürlich nicht alles machen, was ich will. Das wäre das gleiche, wenn mir ein Regisseur sagen würde: "Also ich inszenier mal, und anschließend kannst Du machen, was Du willst". Ich glaube, es wäre wahrscheinlich auch dem Film nicht sehr dienlich, wenn man sich immer durchsetzen würde. Die Entstehung eines Films ist ein kommunikativer Prozeß bei dem man seine eigene Sichtweise natürlich auch sehr stark einbringt.

? So viel zu den positiven Aspekten Ihrer Arbeit. Und wo liegen die Schattenseiten?

! Ich glaube, daß jede Arbeit, wenn man sie ernstnimmt, auch anstrengend ist. Drehzeiten von circa zehn Stunden sind keine große Ausnahme und manchmal sind sie auch notwendig, weil einfach der Etat fehlt, um bequemer arbeiten zu können. Aber selbst bei den Amerikanern - wo wirklich mehr Geld fließt - gibt es dieselben Arbeitszeiten.
Kameraarbeit ist aber auch psychisch anstrengend, weil man immer wieder in anderen Konstellationen arbeitet, was auch spannend ist. Aber es kann sein, daß jemand genau damit große Probleme hat, alle acht Wochen neue Gesichter zu sehen und sich darauf einzustellen, die Hälfte des Lebens in Hotels zu verbringen.

Informationen zum Studiengang Kameraarbeit an der Fachschule für Photodesign in Dortmund

? Sie sind Professor für Kamera an der Fachhochschule in Dortmund. Welche Bereiche der Kameraarbeit kann man dort studieren?

! Im Grundstudium ist das zentrale Fach Bild- und Lichtgestaltung. Da geht es hauptsächlich um praktische Übungen in diesen Bereichen. Es gibt im Grundstudium schwerpunktmäßig vier technische Fächer: Film- und Kopierwerkstechnik, Fernsehtechnik, Licht- und Beleuchtungstechnik und Foto und Kamera. Daneben bieten wir aber auch wissenschaftliche Fächer wie Medien-, Film- und Kunstwissenschaften an.

? Also ein umfassendes Kamerastudium...

! Nicht ganz. Den Bereich der Filmabtastung können wir schon gerätetechnisch überhaupt nicht abdecken. Bestenfalls können wir die Interessierten mal mit ins Kopierwerk oder zu einer Fernsehanstalt nehmen. Dann können wir den 35mm Film-Bereich auch nur ganz sporadisch anbieten, weil er einfach zu teuer ist. Aber es gibt bestimmte Konsequenzen, die bei der Arbeit mit 35mm zu ziehen sind, andere bei 16mm. Also es gibt immer wieder Teilaspekte der Kameraarbeit, die wir gar nicht leisten können. Das ist die technische Seite, das gleiche gilt natürlich auch auf dem gestalterisch-künstlerischen Gebiet. Man kann immer nur bestimmte Situationen ansprechen, durchnehmen, anschauen und nicht die gesamte Filmgeschichte aufarbeiten.

? Wer meint, er wäre am Ende des Studiums fertiger Kameramann oder Kamerafrau, liegt da wohl falsch?

! Das ist man ja eigentlich in keinem Beruf. Und natürlich auch nicht in den sogenannten „künstlerischen" Berufen. Da spielen Modeeinflüsse bzw. ästhetische Sichtweisen eine Rolle . Und dann ist natürlich auch die Technik Wandlungen unterworfen. Für mich ist das Spannende an der Kameraarbeit, daß ich immer etwas lernen kann.

? Bei bisher einer Absolventin des Studiengangs ist es wohl ein bißchen zu früh nach der Akzeptanz innerhalb der Branche zu fragen...

! Stimmt. Man kann noch nicht von Erfahrungen sprechen, aber ich denke, die Akzeptanz hängt davon ab, was man machen will. Wenn man beispielsweise in den Bereich der aktuellen Berichterstattung möchte, ist man hier richtig. Die Fernsehanstalten werden zukünftig hauptsächlich Absolventen zum Beispiel von dieser Fachhochschule nehmen, weil sie ihren eigenen Ausbildungsweg abschaffen. Ich denke, daß unsere Studenten dort gute Möglichkeiten haben.
Nach dem 3. Semester beginnt bei uns das Hauptstudium mit einem Praxissemester. Unsere Studenten arbeiten ein halbes Jahr lang in verschiedenen Betrieben oder Produktionsfirmen, unter anderem auch beim Westdeutschen Rundfunk. Und ich würde jetzt mal behaupten, daß 70 - 80 % aller Praktikanten dort positiv auffallen und anschließend - wenn es Planstellen gäbe - auch anfangen könnten.

Film oder Fernsehen. Zwei Welten prallen aufeinander?

? Man wirft gerade Filmkameraleuten gerne vor, ausschließlich in künstlerisch-ambitionierten Sphären zu schweben und dabei den Alltag der Kameraarbeit völlig zu vergessen...

! Ich kenne diese Angst, z.B. von Seiten der Fernsehanstalten, gut. Ich denke, daß die Studenten hier an der Schule ihre eigenen Grenzen kennenlernen sollten und nicht erst im Arbeitsalltag. Um aber diese Grenzen feststellen zu können, müssten wir auch die entsprechende Praxis anbieten. Das Problem ist nur, daß wir uns das als Fachhochschule finanziell kaum leisten können. Es gibt ja sehr viele Filmklassen, die sich nur auf so etwas wie „experimentelles Gestalten" konzentrieren, weil sie nicht mal eben eine Rolle durchlaufen lassen können, um das Schwenken zu üben, das ist einfach zu teuer. Dann macht man irgendwie was anderes, bei dem es unwichtig ist, ob jemand schwenken kann oder nicht.

? Kameraarbeit und Kameraarbeit ist nicht unbedingt dasselbe. Es gibt unterschiedliche Zugangswege (z.B. EB-, Video oder Filmkamera). Liegt der Schwerpunkt des Studiums im Bereich des Films oder setzen Sie eher generalistisch an?

! Vielleicht vorab: Wir haben hier auch Bewerber, die bereits als EB-Kameraleute bei Fernsehanstalten arbeiten und die auf einmal merken, daß sie an ihre Grenzen stoßen. Sie erhoffen sich hier eine Filmausbildung. Ich würde sagen, es ist leichter, vom Film auf Elektronik umzusteigen als umgekehrt.
Ich würde immer dafür plädieren, mit Film anzufangen, weil man dabei bestimmte Sachen erst lernt. Wenn ich heute sehe, wie manchmal mit Video gearbeitet wird, dann muß ich sagen, daß der Film einfach zehnmal weiter ist. Und ich glaube, es ist auch kein Zufall, daß die ästhetisch gewagteren, anspruchsvolleren Sachen - was immer das jetzt sein mag - nicht auf Video gedreht werden, sondern auf Film.
Das ist für mich eine ganz große Frage: Wie kann es sein, daß EB-Kameraleute, die ihr Endbild die ganze Zeit durch einen Monitor kontrollieren können, trotzdem hundertmal ängstlicher sind als Leute, die mit Film arbeiten. Also warum werden die experimentellen Sachen - und damit meine ich auch große Kinofilme - mit einem Medium gemacht, das man gar nicht so gut kontrollieren kann und nicht mit einem, das man die ganze Zeit voll im Griff hat? Das muß etwas mit der Technik zu tun haben, aber auch mit den Leuten, die mit ihr umgehen.

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