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Arbeitsfelder: Technisch-kreative Gestaltung
Interview mit Karin Henz, MAZ-Editorin
„Learning by doing" war auch für die studierte Grafikdesignerin der Einstieg in den Beruf. Begonnen hat alles mit einem Nebenjob in einer Videoproduktionsfirma. Die hauseigene Cutterin ging in Mutterschaftsurlaub, Karin Henz ergriff die Gelegenheit und entdeckte eine Leidenschaft: den Umgang mit bewegten Bildern. Ihr Weg führte über die Fernsehproduktionsabteilung eines großen Verlages zum „Wirtschaftsfernsehen" der FAZ bis hin zu Abstechern in die Werbebranche. Heute arbeitet sie als freie Editorin.
MAZ? Aim: Was bedeutet MAZ?

Karin Henz: MAZ ist die Abkürzung für magnetische Bildaufzeichnung.

? Und diese Technik wird wo verwendet?

! Bei allen möglichen Arten der Aufzeichnung - Industriefilm, Schulungsfilm und hauptsächlich beim Fernsehen. Da ist dieses Verfahren auch entwickelt worden.

AUFGABEN

Trotz Widrigkeiten
allzeit bereit

? Was genau macht eine MAZ- Editorin?

! Das ist ein wenig vom Endprodukt abhängig. Da gibt es die einen, die beim Fernsehen im Bereich News arbeiten, die schneiden z.B. Betacam SP oder Digital Betacam. Da kommt es darauf an, die Maschinen zu beherrschen, möglichst schnell zu sein und den Druck aushalten zu können. Nachrichten haben feste Sendetermine, sie müssen zu einem bestimmten Zeitpunkt fertig sein. Andere schneiden Reportagen, Features und Magazinbeiträge. Hier geht es schon mehr um das Inhaltliche. Wenn zum Beispiel Unschlüssigkeiten auftreten, kann man schon mal sagen: „Können wir das nicht umstellen" oder „Sollen wir das wirklich nach der zeitlichen Reihenfolge schneiden oder doch lieber thematisch ordnen?". Bei den News ist es egal, da wird einfach zusammengehauen, da muß es eben schnell gehen, aber beim Feature oder bei der Reportage sind die Inhalte und die Auseinandersetzung mit dem Regisseur, Redakteur oder wem auch immer elementar.
Dann gibt es den Bereich der Nachbearbeitung. Man bekommt ein halbfertiges Produkt und muß es fertigstellen: Beiträge einsetzen, Moderationen, Logos, Schriften, Uhren einblenden ... Da muß man präzise sein - schon allein wegen der vorher festgelegten Dauer. Wenn ein Beitrag beispielsweise genau 45 Minuten und 30 sec. Länge haben soll, muß man zum einen drauf achten, daß die Zeiten stimmen, zum anderen auf Kameraeinstellungen, ob eine Angel ins Bild ragt oder ob irgendwo ein Schatten von einem Mikro zu sehen ist...

? Und wie sieht das beim Industriefilm aus?

! Da gibt es einmal low-cost Produktionen, sogenannte Point of Sale-Videos. Das sind zum Beispiel Videos, die man öfter in Baumärkten sieht - auf denen erklärt wird, wie ein Klammerapparat der Firma XY funktioniert oder wie einfach der Anstrich einer Wand mit der Farbe soundso ist. Das wird zum Teil sehr teuer produziert, zum Teil sind das aber auch ganz billige Geschichten. Da muß man sich mit der Technik auskennen, meistens schneidet man solche Produkte sogar allein - man bekommt nur einen Zettel oder eine Art Drehbuch, in dem steht, wie es grundsätzlich aussehen soll.

GESTALTE-
RISCHE FREI- HEITEN

Das Gips-Bein der
MAZ - Editorin. Auch hier besticht sie
durch ein ungeheu-
res Farbempfinden

? Wie groß sind dabei die gestalterischen Möglichkeiten und Freiheiten?

! Das kommt immer darauf an, wie der Kunde sich verhält. Es gibt Kunden, die haben exakte Vorstellungen. Die kommen mit Timecode-Listen, Schriftausdrucken und Musikaufnahmen, die sie haben wollen. Es gibt aber auch andere, die mit einem Berg von Material ankommen und sagen: Machen Sie mal was Flottes daraus.

? Material meint Videobänder?

! Ja. Es ist zwar so ungefähr klar, daß bestimmte Einstellungen an bestimmte Stellen müssen, aber im Grunde ist noch alles offen. Und da setzt die Kreativität des Editors an. Das geht schon los mit dem Vorspann - mach ich alles schwarzweiß und nur das Produkt in Farbe oder alles ganz wild, MTV-mäßig mit künstlichen Bildfehlern... Ähnliche Fragen stellen sich beim Aufbau: Soll es in erster Linie verständlich sein oder sind die Vorstellungen des Kunden maßgeblich? Da stellen sich Fragen über die Musikauswahl, die Art der Effekte und des Bildschnitts: schnell, langsam, rhythmisch...

Bei Filmproduktionen kommt noch die Festlegung der Schriften dazu, es gibt Tausende von fonts - da muß man selber schauen, was paßt.

? Grafische Grundkenntnisse sind also Voraussetzung?

! Ja. Wenn zum Beispiel von Bauhaus Demi die Rede ist, sollte man schon wissen, daß es sich nicht um einen Heimwerkermarkt mit dem Namen Demi handelt, sondern um einen Schrifttyp. Es geht nicht darum, perfekte Grafikdesignerin zu sein, aber man sollte ein breit angelegtes Wissen haben.

AKZEPTANZ ? Was ist das Spannende an Ihrem Beruf ?

! Der Einfluß, den man auf das Endprodukt hat. Das gilt sowohl für szenische Produktionen als auch für Industriefilme. Manchmal hat man zwar das Gefühl, daß schon alles vorgegeben ist, aber durch den Schnitt kann sich noch viel ändern. Und es ist spannend zu sehen, welche Möglichkeiten im Material stecken, die man durch den Schnitt noch rausholen kann.

? Gehören MAZ Editoren zur „lower class" der Nachbearbeitung? Enden dort diejenigen, die es nicht geschafft haben, bei den großen Filmproduktionen zu landen?

! Für manche mag das zutreffen. Bis vor kurzem waren die Bereich sehr stark getrennt. Zwei unterschiedliche Welten sozusagen. Die Filmleute arbeiten viel länger an einer Produktion. Sie machen im Jahr vielleicht drei bis vier Projekte. Bei Videoeditoren geht es eher um das Tagesgeschäft. Das ist eine andere Struktur. Die Erfordernisse im Bereich Video gehen weniger in die dramaturgische Richtung, sondern mehr ins Gestalterische und den Umgang mit der Technik. Bei szenischen Produktionen ist die Dramaturgie das A und O, da kommt es nicht so drauf an, daß man sich auch mit Schriften auskennt. Dafür ist dann jemand anderes zuständig.
Natürlich gibt es Leute, die versuchen, über TV-Serien zum Spielfilm zu kommen. Grundsätzlich ist das heute auch einfacher, allein schon durch die Technik: einige Spielfilme und Industrieproduktionen werden auf
Avid geschnitten. Und da kann es schon mal passieren, daß jemand die Möglichkeit hat, das Format zu wechseln, weil er mit der Technik umgehen kann.

? Aber grundsätzlich ist dieser Bereich der falsche Einstieg...

! Ja. Man kann nicht davon ausgehen, daß man, wenn man mit dem MAZ-Schnitt beginnt, automatisch beim Spielfilm landet. Man kann natürlich die Zeit als eine Art Praktikum nutzen, um erstmal einen Überblick über die Medien zu bekommen. Aber dann muß man sich ziemlich früh für die andere Schiene entscheiden und versuchen, als Assistent bei einer Spielfilmproduktion unterzukommen. Allerdings glaube ich, daß der Übergang in Zukunft einfacher wird; viele szenische Produktionen werden auf Video gemacht. Zum Beispiel TV-Movies: die werden zwar noch auf Film gedreht, aber auf Video abgetastet. Die Bereiche werden sich in der Zukunft immer mehr vermischen, aber im Grunde bleiben die Bereiche unterschiedlich: beim Filmschnitt geht es eher um szenische und beim Videoschnitt mehr um gestalterische und technische Aspekte.

ONLINE/ OFFLINE -
SCHNITT
? In Verbindung mit MAZ wird vom Offline- und Online-Schnitt gesprochen. Was verbirgt sich hinter den Begriffen?

! Offline ist eine Art Vorbereitungsschnitt, Online der endgültige Schnitt, der gesendet, auf Messen gezeigt oder verkauft wird.

? Also ist der Offline-Schnitt dasselbe wie der Rohschnitt beim Film?

! Genau.

? Und der dient der ersten Beurteilung des Materials?

! Ja! Offline ist sowas wie die Abeitskopie beim Film, da wird ja die Arbeitskopie geschnitten und nicht das Endmaterial.

? Gibt es spezielle Offline- und Online-Editoren?

! Nicht das ich wüßte. Aber jemand, der zum Beispiel nie was anderes als Avidschnitt gemacht hat, wird mit dem Online-Schnitt große Schwierigkeiten haben, weil er das schon rein technisch nicht kann. Das heißt natürlich nicht, daß er nicht doch irgendwann mal Online schneidet. Aber nicht so, wie das im Moment läuft: Ich bekomme eine riesige Materialmenge, die ich auf S-VHS bringe, ein billiges Format, auf dem dann der Schnitt gemacht wird. Davon kommt man jetzt immer mehr ab - mittlerweile wird das in niedriger Auflösung auch auf Avid kopiert und geschnitten. Der Kunde schaut sich den Rohschnitt an und sagt, was geändert werden soll, erst dann wird Online geschnitten. Da gibt es zwei Möglichkeiten: Den Beta SP- oder Digibetaschnittplatz oder man bleibt beim Avid oder einem ähnlichen System und digitalisiert das Material, das man braucht, in höchster Qualität noch mal ein. Man kann Offline und Online am Avid schneiden oder aber Offline am Avid, Online an einem herkömmlichen Schnittplatz. Wenn z.B. noch viele Effekte eingebaut werden müssen, versagt der Avid, das klappt noch nicht so gut, da geht man lieber an einen „normalen" Schnittplatz oder sogar an einen sogenannten high-end Digital-Schnittplatz, wie z.B. die Edit-Box.

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