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Ausstattung: Szenenbild
Filmarchitekt/in
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Kurzinfo Filmarchitekt umfaßt die Berufsbezeichnungen: Filmarchitekt, Szenenbildner, Filmausstatter, Bühnenbildner, Art Director oder Production Designer. Es können aber auch Namen wie Set Designer oder Visual Consultant verwendet werden.Im folgenden Text wird der Begriff Filmarchitekt verwendet.

Kleiner Exkurs zur Berufsbezeichnung Filmarchitekt

Diese fast babylonische Sprachverwirrung hat u.a. mit der Entwicklung des Berufsbildes zu tun. Zu der klassischen Funktion des Bühnenbildners am Theater treten im Film größere Bauten hinzu, die dann von Filmarchitekten entworfen und betreut werden. Heute erstellen Filmarchitekten oft das gesamte visuelle Konzept. Inzwischen setzt sich auch die Bezeichnung Szenenbildner immer stärker durch.
Zusätzlich zu den deutschen Namen werden englische Begriffe verwendet. Da die Gewerkschaften in den USA die Benutzung von einschlägigen Berufsnamen nur unter bestimmten Bedingungen gestatten, legen sich findige Filmarchitekten (Production Designer) einfach neue Bezeichnungen zu.
Außerdem werden in den unterschiedlichen Bereichen dieselben Begriffe anders verstanden und verwendet. So kann ein Art Director im Fernsehen der kreative Chef des Ausstattungsbereiches sein, bei Filmproduktionen ist ein Art Director teilweise dem Production Designer unterstellt und hat eher ausführende Aufgaben. Auch regionale Unterschiede sind möglich: wer in München als Filmarchitekt arbeitet, findet sich in Frankfurt, bei gleicher Tätigkeit, als Ausstatter wieder....
Im Zweifelsfall muß man sich den Tätigkeitsbereich einer Person genau ansehen.



Architekten bauen Häuser. Innenarchitekten entwerfen Geschäfts- oder Wohnungseinrichtungen.
Filmarchitekten entwerfen, planen und realisieren die Straßenzüge, Häuser oder Räume, in denen Filme spielen.
Dabei spielen virtuelle Szenenbilder eine immer größere Rolle.
Neben Dekorationen für Kino- und TV-Filmen arbeiten Filmarchitekten auch für Fernseh-Shows, Werbefilme etc. Viele Filmarchitekten sind parallel im Theater, der Oper oder für Musicals tätig (hier dann als Bühnenbildner).

Die kreative Leistung der Filmarchitekten wird oft unterschätzt. Der Regisseur und Produzent Michael Powell beschreibt dies so: „Die Öffentlichkeit nimmt meistens nicht wahr, daß - wenn man den Autor und den Drehbuchschreiber einmal beiseite läßt - der Filmarchitekt das in Wahrheit kreativste Mitglied eines Filmteams ist... In der Welt des Films sind Produzenten, Regisseure und Kameraleute so von ihrer eigenen Wichtigkeit erfüllt, daß nicht ausreichend anerkannt wird, daß der Filmarchitekt der Schöpfer der wunderbaren Bilder da oben auf der großen Leinwand ist." (Affron and Affron,1995)

Beispiel

Für die Verfilmung von Batman 1989 ließ Regisseur Tim Burton zwei gegensätzliche Architekturwelten realisieren. Der Production Designer Anton Furst entwarf die düstere Großstadt Gotham City in der das organisierte Verbrechen seit Jahrhunderten ungestört regiert. „ Sie sollte so zeitlos wie möglich werden, obwohl – nachdem wir uns ja an dem originalen Comic strip orientierten- eine gewisse Vierziger-Jahre-Atmosphäre herrschen mußte.", erzählt der Regisseur, „Wir begannen also mit dem Aussehen des ursprünglichen Gotham City im Comic strip und kombinierten sie mit den schlimmsten Aspekten New Yorks – wir stellten uns vor, wie die Stadt aussehen würde, wenn es keine Planungsbehörden gegeben hätte und wenn die Stadt von Verbrechen und Erpressung regiert worden wäre, eine Stadt ohne Bauordnung und Gesetze, die etwa festlegen, daß Hochhäuser so gebaut werden, daß immer noch Licht in die Straßen fallen kann...." Im Gegensatz dazu lebt Batman, der alsbald den Kampf gegen Korruption und Verbrechen aufnehmen wird, in einem uralten historischen Landhaus. Als Drehorte dienten zwei von Englands erlesensten Landhäusern. Furst erhielt für diese Arbeit den Oscar für Production Design im Jahr 1990. (Neumann, 1996)

Computervisualisierung

Seit Beginn der 80er Jahre werden Spielfilme digital bearbeitet, aber erst in den 90ern hat sich diese Technik, nicht zuletzt durch den Preisverfall bei der Herstellung der Microprozessoren, immer stärker durchgesetzt.
Für den Bereich der Filmausstattung bedeutet dies, daß Filmkulissen nicht mehr real aufgebaut werden. Statt dessen werden z.B. historische Kulissen vom Foto in den Computer eingescannt, aufbereitet und stehen anschließend als Hintergrund für Filmszenen zur Verfügung. Dieses Verfahren ist oft kostengünstiger und es ermöglicht beliebig viele Bearbeitungen.
Für den Film Comedian Harmonists, 1997 unter der Regie von Joseph Vilsmaier gedreht, wurden so historische Kulissen durch Bildbearbeitung hergestellt. Durch digitale Effektbearbeitung wurde ein Flugzeugträger in den Zustand zurückversetzt, den er kurz nach dem Stapellauf Anfang der dreißiger Jahre hatte. „Anhand von Fotografien rekonstruierten wir am DOMINO Deckaufbauten, Waffen, Antennen, Markierungen, Flaggen usw. Nach Abschluß dieser Arbeiten begannen wir mit der Bearbeitung des Hintergrundes: Aus zeitgenössischen Original-Filmen und –Fotografien rekonstruierten wir eine authentisch wirkende Skyline. Um der gesamten Szenerie den letzten Schliff zu geben, setze George noch einige Vögel ein, die er mit seiner 16mm-Kamera auf der Love Parade 1997 gedreht hatte." (Vilsmaier,1997)
Dieses Beispiel zeigt, daß das Berufsbild der Filmarchitekten einer starken Wandlung unterworfen ist und die Kenntnis audio-visueller Techniken immer wichtiger wird. „Die Möglichkeiten, die den Filmarchitekten mit diesen neuen Technologien eröffnet werden, geben ihnen einen großen kreativen Freiraum und lassen sie umfassender auf den Ausdruck des Films Einfluss nehmen.", urteilt T.U.Thormann im Jahrbuch 95/96 des Verbandes der Filmarchitekten, „Entscheidend ist dabei natürlich, daß den Filmarchitekten selbst die Techniken so vertraut sind, daß sie die aktuellen Möglichkeiten der Umsetzung ihrer Ideen einschätzen können und den Produktionsprozess genauestens überblicken."
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Tätigkeit Alles beginnt mit dem Drehbuch. Im Gespräch mit dem Regisseur wird eine stilistische und dramaturgische Konzeption für die Realisierung des Films entworfen: wo soll der Film spielen, welche Schauplätze stehen zur Verfügung, in welcher Epoche spielt der Film, wie hoch ist der Etat...
Nach Vorgesprächen und eingehenden Recherchen entwirft die Filmarchitektin Skizzen und Modelle, nach denen dann die Räume und Orte gebaut werden können.Diese Entwürfe werden in exakte Werkstattzeichnungen umgesetzt.Die Filmarchitektin sucht Drehorte und verändert sie nach den künstlerischen und technischen Anforderungen.
Im Bereich der Computervisualisierung wird der Bau der Dekorationen durch entsprechende Arbeitsschritte mit Bildbearbeitungsprogrammen ersetzt. Wichtig ist immer die genaue Kalkulation und die Koordination aller an der Umsetzung beteiligten Fachleute.


Copyright Monika Bauert, Charlie und Louise, Szenenbild Leuchtturm, Ausschnitt

Die Filmarchitektin überwacht die mit der Bautätigkeit beauftragten Firmen, stellt die Einrichtung (Requisiten , Möbel) zusammen und überprüft, ob die Dekorationen so realisiert werden, wie es künstlerische und technische Konzeption erfordern.
Während der Dreharbeiten überwacht die Filmarchitektin, parallel zur Tagesdisposition, Vorbauten, Umbauten und Rückbauten, damit alles punktgenau zur Verfügung steht. Ebenso kümmert sie sich um notwendige Veränderungen. Nach dem Abschluß der Dreharbeiten wird der Rückbau und die Rücklieferung von Ausstattungsgegenständen überwacht. Letzter Schritt ist die Abrechnung des Etats.

Der Filmarchitekt und Oscar-Preisträger Ken Adams entwirft folgendes Bild seiner Tätigkeit: „Im Idealfall überwacht der Production Designer alles, was visuell ist: Bauten, Aussendrehorte, Requisiten, Kostüme. Er kreiert die Atmosphäre, den ‚Look‘ des Films." (Berger, 1994)
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Arbeitsumfeld Die Filmarchitektin arbeitet eng zusammen mit Regisseur und Produzentin. Außerdem sind wichtig: Kameramann und Kostümbildnerin. Beim Bau von Dekorationen koordiniert die Filmarchitektin zahlreiche Handwerker/Techniker.
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Anforderungen Filmarchitekten müssen über schöpferische Phantasie und über dramaturgisches Denken verfügen, sie brauchen ein malerisches und zeichnerisches Talent, Farbensinn und Raumgefühl.
Untermauert werden diese kreativen Fähigkeiten mit soliden Kenntnissen in Stilkunde, Kunst- und Kulturgeschichte, durch Materialkunde und technisches Zeichnen.
Kaufmännische Kenntnisse sind erforderlich um Kostenkalkulationen vornehmen zu können und die Einhaltung des Etats zu überwachen.
Und – nicht zuletzt ! – gehören heute audio-visuelle Techniken zum Handwerkszeug der Filmarchitektinnen.
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Wege zum Beruf Die Wege zum Beruf sind vielfältigst.
Es gibt einige einschlägige Studiengänge: Seit 1991 gibt es z.B. den Studiengang Szenografie an der Fachhochschule Rosenheim. Dieser Studiengang behandelt alle Aspekte des Bildentwurfs für die Medien Film und Fernsehen. An der Akademie der Bildenden Künste München ist der Studiengang Bühnenbild und Kostüm eingerichtet worden. In Potsdam-Babelsberg an der Hochschule für Film und Fernsehen wird der Studiengang Film- und Fernsehszenografie angeboten.
An der Filmschule NRW können Weiterbildungskurse im Bereich Szenenbild besucht werden.

Viele Filmarchitektinnen haben ein Studium der Architektur/ Dipl.Ing. oder der Innenarchitektur absolviert, bevor sie in den Bereich Film gegangen sind. Oft werden die zusätzlich erforderlichen Kenntnisse über Assistenzen erworben.
Eine Reihe von Filmarchitekten haben als Erstausbildung Theatermalerei oder Tischlerei gelernt und sind von der Theater/Opernbühne zum Film gewechselt.

Es finden sich auch Berufsbiographien, die über ein Design-Studium, ein Studium der Bildhauerei, der Malerei oder Grafik zur Filmarchitektur führen. Im Rahmen des Kunststudiums (z.B. an der Kunstakademie Düsseldorf) gibt es auch die Möglichkeit, sich auf Bühnenbild zu spezialisieren.
Andere Filmarchitekten beginnen als Dekorationsmaler, Dekorateure, Möbeldesigner, Metallbildhauer, Requisiteure.

Die Gruppe der Autodidakten ist relativ groß.


Zur Aus- und Weiterbildungs- Datenbank
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Literatur Comedian Harmonists, Joseph Vilsmaier, Gustav Kiepenheuer Verlag, Leipzig, 1997

Film + Television Design Annual, Jahrbuch des Verbandes der Szenenbildner, Filmarchitekten und Kostümbildner, Verband der Szenenbildner , Filmarchitekten und Kostümbildner e.V. (Hrsg), Geiselgasteig
(Mit umfangreichen Literaturhinweisen!)

Filmarchitektur, Von Metropolis bis Blade Runner, herausgegeben von Dietrich Neumann, Prestel Verlag, München- New York, 1996

Production Design: Ken Adam, Meisterwerke der Filmarchitektur, herausgegeben von Jürgen Becker, Geiselgasteig, 1994

Sets in Motion, Art Direction and Film Narrative, Charles Affron and Mirella Jona Affron, Rutgers University Press, New Brunswick, New Jersey, USA, 1995

Zur Literaturdatenbank
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Fachverbände / Gewerkschaften Verband der Szenenbildner, Filmarchitekten und Kostümbildner in Europa e.V. Bavariafilmplatz 7, 82031 Geiselgasteig, tel 089-649 31 39, fax 089-649 29 08

Deutsche Theatertechnische Gesellschaft e.V., Gruber Straße 76, 85586 Poing/München, Telefon 08121-765 31, Telefax 08121-765 81, www.dthg.de

IG Medien, Postfach 10 24 51, 70020 Stuttgart, tel 0711-20180, fax 0711-2018300, www.igmedien.de

Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger, Postfach 120270, 20102 Hamburg, tel 040-445185, fax 040-456002, www.buehnengenossenschaft.de
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Specials Interview mit Monika Bauert - Filmarchitektin/Szenenbildnerin
Interview mit Harald Reichelt - Ausstattungsleiter beim WDR
Interview mit Sabine J. Rudolph - Filmarchitektin
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