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Inszenierung & Darstellung: Stunt
Stuntman / Stuntwoman
Kurzinfo
Tätigkeit
Arbeitsumfeld
Anforderungen
Wege zum Beruf
Literatur
Kurzinfo

Stuntman Hakan Haslaman
Foto: Rohina Tashqin
Copyright Stuntszene Production
„Cause I’m the unknown Stuntman, that made Redford such a star...“. Das sang seinerzeit Lee Majors in seiner Rolle als Stuntman und Nebenher-Kopfgeldjäger in der US-Kultserie „Ein Colt für alle Fälle“. Zuvor war die Funktion, die Stuntleute bei Film- und Fernsehproduktionen übernehmen, nahezu unbekannt. Und es ist in der Tat eine recht paradoxe Situation, welche die Tätigkeit von Stuntmen und -women kennzeichnet: Sie sind gewissermaßen sichtbar unsichtbar, übernehmen die gefährlichen oder körperlich zu anstrengenden Szenen der schauspielerischen Darstellung. Sie sind dann zu sehen wenn es zur Sache geht, werden aber persönlich nicht wahrgenommen. Denn der Zuschauer bemerkt nicht, dass es sich nicht um den Darsteller oder die Darstellerin handelt, welche(r) soeben noch ganz ruhig am Kaffeetisch saß, nun aber im hohen Bogen durch die Fensterscheibe des Bistros fliegt. Gesessen hat der Schauspieler, geflogen ist der Stuntman, und es ist wiederum der Darsteller, der vom Boden aufsteht – oder vielleicht doch im Krankenbett aufwacht.

Wenn der Regisseur am Set also „Action!“ ruft, so kann das einerseits bedeuten, dass die Hauptdarstellerin ihren Geliebten liebevoll in die Arme schließt. Es kann aber eben auch heißen, dass er von einem Widersacher vom Dach gestoßen wird, sich im Fallen in einem Seil verheddert und zwanzig Zentimeter vor dem Aufprall aufgefangen wird. Letzteres wäre eine typische Aufgabe für einen Stuntman. Daher nennen sich die heutigen Stuntleute auch „Action Darsteller“.

Das Wort „Stunt“ heißt ins Deutsche übersetzt einfach „Kunststück“. Stuntmen/Stuntwomen übernehmen Szenen wie Kämpfe, Treppenstürze und Verkehrsunfälle. Sie stehen mit ihren Körpern für die Darsteller ein - man spricht im Englischen daher auch von Stand-Ins. Auch wenn ein Darsteller eine gefährliche Szene selber spielen will, sich die Durchführung zutraut, gehen Produktionsfirmen dieses Risiko immer seltener ein. Denn ein gesundheitsbedingter Ausfall der Mimen wäre zu kostspielig. Dies und der wachsende Markt für Action-Filme wird voraussichtlich dazu führen, dass Stuntleute auch in Zukunft gute Beschäftigungschancen haben werden.

Obwohl es den Anschein haben könnte, dass es hier ausschließlich um körperbetonte Arbeit und „nonverbale Kommunikation“ geht, so muss doch darauf hingewiesen werden, dass der Job nichts für gewaltbereite Menschen, die sich gerne prügeln, nichts für Draufgänger ist! Im Gegenteil, Stuntleute müssen ihre Arbeit sorgfältig planen und verantwortlich ausführen.
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Tätigkeit Der eigentliche Stunt ist nur das „Sahnehäubchen“ der gesamten Tätigkeit bzw. des Alltags eines Stuntman. Die meiste Zeit wird in die Planung, die Vorgespräche, die Vorbereitung und die Stellproben investiert. Diese vorbereitenden Arbeiten sind umso wichtiger, wenn eine Szene auf Anhieb funktionieren muss, da ein hoher Materialaufwand betrieben wird.

Arbeitsschritte sind:
  • Erstellen einer genauen Planung der entsprechenden Einsätze;
  • Erstellen eines Storyboards;
  • Technische Planung und Organisation der Präparierung, zum Beispiel von Fahrzeugen oder sonstigem Equipment;
  • Absprache und Koordination mit Regie und Kamera;
  • Arbeit an den Sicherheitskonzepten;
  • Durchführung der gefährlichen Szenen, die eigentlichen Stunts.


Die häufigsten Stunts sind Body-, Auto- und Motorradstunts. Diese sind nach Schwierigkeits- und Gefährlichkeitsgrad frei kombinierbar. Spezialisten erledigen die hoch spektakuläre Jobs, wie beispielsweise auf den Tragflächen eines Flugzeugs zu laufen –
während des Fluges natürlich.
Ob Allrounder oder Spezialist: Stuntprofis brauchen Kenntnisse über die verwendeten Materialien und Geräte, die bei der jeweiligen Szene eingesetzt werden.

Stuntfrauen und Stuntmänner müssen zusätzlich mit viel Gleichmut ausgestattet sein. Autor und Stuntman Hakan Haslaman schildert, dass der Stuntman zwar häufiger als Prügelknabe für jedwede Pannen herhalten muss, beim Gelingen einer Szene jedoch so gut wie nie das verdiente Lob einheimsen kann. Es ist eben eine Arbeit im Hintergrund, den Ruhm dürfen andere auskosten.
„Wer Stunts machen will, sollte vor allen Dingen eine große Portion Willenskraft und Enthusiasmus mitbringen. Halbherzig oder nur mal so zum Spaß wird das auf Dauer nichts“. Das sagt Sönke Korries-Curlee, seit 10 Jahren im Stunt-Geschäft. Es gibt in Deutschland nur ca. 100 professionell Profis, die ihr Geld ausschließlich durch Stunts bei Dreharbeiten oder auf Bühnen verdienen. „Aus diesem Grund“, so Korries-Curlee weiter, „ist es auch ein hart umkämpfter Bereich.“

Der Verdienst eines Stuntmen ist nicht fest geregelt, sondern ist abhängig vom individuellen „Marktpreis“, dem Schwierigkeits- und Gefahrengrad des jeweiligen Stunts und der Branchenlage.
Wie bei Profisportler/innen müssen übrigens auch Stuntleute damit rechnen, dass sie ihren Beruf nicht bis zum Rentenalter ausüben können und entsprechend vorsorgen.
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Arbeitsumfeld Filmproduktionen stellen das Filmteam jeweils für das Projekt neu zusammen. Bei Bedarf werden Stuntleute engagiert, sie arbeiten frei von Projekt zu Projekt. Das direkte Arbeitsumfeld besteht aus den zu doubelnden Schauspieler/innen, Regie und Regie-Assistenz, Kamera, Set-Aufnahmeleitung und Produktionsleitung. Der Stuntkoordinator übernimmt die Mittlerrolle zwischen Stunt-Team, Regie und der Produktionsgesellschaft.
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Anforderungen Qualifikationen/Vorkenntnisse, die man mitbringen sollte:
  • Überdurchschnittliche Sportlichkeit und sportliche Erfahrung (z.B. Trampolin, Turnen, Kampfsport, Motorsport)
  • Technisches Verständnis (zum Beispiel durch eine Berufsausbildung im KFZ-, Metallbau-, Elektrobereich erworben) physikalische Kenntnisse
  • Körperliche Fitness, eine belastbare Konstitution, auch gute Seh- und Hörfähigkeit
  • Evtl. praktische und theoretische Vorkenntnisse in Fotografie, Film oder Theater (z.B. Komparserie)
  • Ruhe, Ausgeglichenheit, Gelassenheit und Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit


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Wege zum Beruf Viele Stuntleute haben zunächst eine technische Ausbildung absolviert und sich danach zusätzliche Kenntnisse über Pyrotechnik bzw. Special Effects angeeignet.

Bisher gibt es keine reguläre Ausbildung. Einige Stuntfirmen haben Stuntschulen eröffnet und bieten eine - nicht staatlich anerkannte - Qualifizierung. So führt die Stuntschule Hürth (bei Köln) Workshops und eine 3-jährige Qualifizierung durch.
Ein ähnliches Angebot will die Stuntszene Berlin 2005 einrichten.
Auch die Kölner Produktionsfirma Action Concept, die für zahlreiche Action Serien („Alarm für Cobra 11“, „Medicopter“, „Notruf“, „Der Clown“) verantwortlich zeichnet, hat ein Stunt-Ausbildungsprogramm entwickelt.

Wer sich für den Stuntberuf interessiert, sollte zunächst Praktika absolvieren und durch die Teilnahme an Workshops testen, ob die Berufsrealität den eigenen Wünschen und Vorstellungen entspricht und ob man den Anforderungen gewachsen ist.

Zur Aus- und Weiterbildungs- Datenbank
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Literatur Haslaman, Hakan: Stunts. Anleitung für wahre Filmhelden, Theodor Bender Verlag, Mainz 2002, ISBN 3-936497-00-1

Freese, Gene Scott: Hollywood Stunt Performers, a dictionary and filmography of over 600 men and woman, 1922-1996, Mc Farland 1998

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