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Publikationen
Generation M: Rückschau
Fachkongress: Berufstrends und Arbeitsmarkt
Eine schöne Idee braucht schöne Figuren
Formatentwickler stellten ihr weites Berufsfeld vor
Die Quizsendung „Wer wird Millionär“, die Arztserie „In aller Freundschaft“, die Polizei-Doku-Soap „Toto und Harry“ – im Fernsehen gibt es ganz unterschiedliche Sendungstypen, im Fachjargon „Formate“ genannt. Über dieses Thema diskutierten am Mittwoch Experten bei „generation m“.

„Richtig wichtig wurden Formate in Deutschland erst mit der Einführung des Privatfernsehens“, sagte Mirko Derpmann von der Medienberatung HMR International. „Programmblöcke, an denen man hier und da herumschrauben konnte, machten das Programm auf ganz neue Weise planbar und damit wirtschaftlicher.“ Das erste deutsche Fernsehformat sei „Tutti Frutti“ gewesen. Seitdem haben Formate immer mehr an Bedeutung gewonnen - und gleichzeitig haben sich die Ansprüche an sie recht unterschiedlich entwickelt.

Während es für Panagiotis Trakaliaridis von der ZDF-Stabstelle Formatarbeit wichtig ist, dass seine Programme nicht nur unterhalten, sondern auch informieren, steht für Iris Bettray, Vorstand Content der privaten Produktionsfirma AZ Media AG, im Vordergrund, dass ihre Formate ein breites Publikum finden. Und wenn Christopher Peterka von der kleinen Produktionsfirma gannaca high touch people mit seinen Kollegen über neue Formate nachdenkt, geht es vor allem darum, wie sie auch über Internet, Handy und Computerspiele weitervermarktet werden können.

Bei aller Unterschiedlichkeit - eine Ansicht einte die vier: Im TV-Programm sind heute zu wenige deutsche Formate zu sehen. „In Deutschland nimmt man sich weder die Zeit noch das Geld, eigene Formate zu entwickeln und auszuprobieren“, bedauerte Bettray. Statt teure Entwicklungsabteilungen zu erhalten, würden viele Sender lieber im Ausland einkaufen. Die Formate „Superstars“, „Dschungel-Camp“ und „Wer wird Millionär“ stammen allesamt aus anderen Ländern, und viele Dokumentationen, die das ZDF zeigt, sind von der BBC produziert worden.

Ein rares Beispiel für gute deutsche Format-Entwicklung ist nach Ansicht von Derpmann die Polizei-Doku-Soap „Toto und Harry“ auf Sat1, in der zwei Polizisten mit Handkameras bei ihrer Arbeit beobachtet werden. Das Beispiel zeige auch, wie wichtig es sei, gute Formate mit passenden Charakteren umzusetzen. „Die Idee, Polizisten bei der Arbeit zu verfolgen, ist ja nicht neu“, so Bettray. „Aber die beiden wunderbaren Figuren machen die Qualität dieses Formats aus.“

Wer eine Produktionsfirma oder einen Sender von seiner Formatidee überzeugen möchte, sollte solche wunderbaren Figuren am besten gleich mitbringen, rät Derpmann. Auch weil die Gefahr bestehe, dass die Produktionsfirma oder der Sender die Idee erst ablehnen und dann einfach selbst umsetzen würden. „Wenn man eine Großfamilie in die Südsee schicken will und schon gleich die passende Großfamilie in der Hinterhand hat, ist man gegen solchen Ideenklau schon mal ziemlich abgesichert.“

Einen Königsweg in den Beruf Formatentwickler gibt es nicht. „Formatentwicklung ist kein Planspiel“, sagte Bettray. „Manche haben die besten Ideen unter der Dusche, andere werden erst richtig kreativ, wenn sie im Team diskutieren.“ Wichtig sei vor allem: viel Lesen und viel Fernsehen. Aber auch logisches Denken sei gefragt, da eine Fernsehsendung Minute für Minute durchgeplant werden müsse: „Man kann nicht einfach nur eine Großfamilie in die Südsee schicken, ohne zu wissen, was man wen wann erleben lässt.“

Teilnehmer:
Christopher Peterka, Geschäftsführer gannaca high touch people GbR
Mirko Derpmann, HMR International GbR
Iris Bettray, Vorstand Content AZ Media AG, Geschäftsführerin AZ Media TV
Panagiotis Trakaliaridis, Stabstelle Formatarbeit, Hauptabteilung Programmplanung, ZDF

Moderation:
Andrea Stein, Geschäftsführerin, AIM
Generation M 2006 dankt allen Mitwirkenden für ihre Unterstützung:
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