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Inszenierung & Darstellung: Musik
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„Play it again, Sam“

Wer erinnert sich bei Lieblingsfilmen nicht unwillkürlich auch an die Musik? Was wäre „Der blaue Engel“ ohne die Musik von Friedrich Hollaender: „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“, „Ich bin die fesche Lola“ ? Was wäre „Pretty Woman“ ohne den Titel-Song von William Dees? Wie würde Raumschiff Enterprise ohne Weltraumfanfaren wirken? Und kann man sich den Kult um „The Rocky Horror Picture Show“ ohne das begeistert mitsingende Publikum vorstellen?!

Filme erleben ist ein emotionaler Vorgang. Je nachdem, ob die musikalische Begleitung bedrohlich oder fröhlich, melancholisch oder romantisch klingt, wirken die Bilder ganz unterschiedlich. Die Titel-Melodie von „Spiel mir das Lied vom Tod“ gehört ebenso zu den Filmmusik-Klassikern wie “Singin’ in the rain”. Schnelle Läufe oder getragene Melodien - Musik schafft Atmosphäre, illustriert Bewegungen, erzeugt Spannung, setzt Rhythmus und Tempo, lässt Räume entstehen, kommentiert das Geschehen, vermittelt Gemeinschaft.

Von der Live-Musik zum Tonfilm

Schon zu Zeiten des „Stumm“-Films waren die Filme nicht lautlos, im Gegenteil. Kino-Pianisten, manchmal ganze Varieté-Orchester, spielten die Musik zu den dramatischen, romantischen, komischen Geschichten. Komponisten lieferten die Partituren, häufig Notensammlungen mit Stichworten wie „Verfolgungsjagd“, „Wiegenlied“ oder „Glück“, die dann bei Bedarf zu den entsprechenden Filmszenen eingespielt wurden. Die Stummfilm-Legende Charlie Chaplin war nicht nur gefeierter Hauptdarsteller und führte Regie, er komponierte auch Musikstücke zu „Goldrausch“, „Circus“ oder „Der große Diktator“.
Schnell erkannten die Film-Produzenten, dass sich Musik hervorragend zu Werbezwecken einsetzen lässt. Der Kinostart wurde ab da mit Schallplattenaufnahmen der Titel-Songs begleitet. Filmmusik wurde opulenter, perfekter und bestand immer häufiger aus Original-Kompositionen.
Der Tonfilm eröffnete eine neue Welt. Das Zusammenspiel von Bildern und Tönen wurde nicht mehr jeden Abend bei der Kino-Vorführung neu hergestellt, sondern Dialoge, Musik und Geräusche wurden ab sofort auf der Tonspur vollständig mitgeliefert. Und nachdem die technischen Kinderkrankheiten überwunden waren, entstand der neue Film als Ensemble aus Bildnern und Tönen.

Neues Geschäftsfeld: Fernsehen

Mit der Verbreitung des Fernsehens entwickelte sich ein weiterer Arbeitszweig für Komponist/innen. Fernsehserien, aber auch Nachrichtensendungen oder Magazine bekamen Erkennungsmelodien. Wie früher die Wochenschau im Kino so werden heute die „Tagesschau“ oder „heute“ im Fernsehen musikalisch angekündigt, Sport- oder Kultursendungen erhalten ihre unverwechselbaren musikalischen Trailer. Das Publikum weiß so schon bei den ersten Tönen, welche Sendung nun im Programm folgen wird, z.B. hat der „Tatort“ eine ebenso erfolgreiche wie eingängige Erkennungsmelodie. Dabei macht man sich zu Nutze, dass das akustische Erinnerungsvermögen sehr ausgeprägt ist. Wenn Handlungsstränge und Einzelfolgen schon längst in Vergessenheit geraten sind, hat das musikalische Gedächtnis zuverlässig abgespeichert wie „Dallas“ geklungen hat, wie diese oder jene Rum-Sorte, Süßigkeit oder Automarke melodisch beworben wurde. Ein gelungener musikalischer Wurf steigert Beliebtheit und Erfolg.

Elemente der Filmmusik

Filmkomponisten sind Partner der Regie, ihnen obliegt es, die Bilder der Geschichte mit musikalischen Mitteln zu begleiten. Dabei unterscheidet Hansjörg Pauli drei mögliche Bild-Ton-Relationen, eine Grund-Definition, die mittlerweile allgemein akzeptiert ist:
  • paraphrasierende Musik verstärkt die Stimmung der Bilder
  • polarisierende Musik lässt ein an sich neutrales Bild anders wirken, z.B. bedrohlich
  • kontrapunktierende Musik stellt die Bild- und Tonaussage in einen Gegensatz

Die Filmmusik übernimmt dramaturgische Funktionen. Sie begleitet per Leitmotiv den Auftritt von Personen, verbindet Handlungsstränge, markiert Orte. Sie kann über „schwache“ Szenen hinweghelfen, vermittelt dem Publikum, wie das Geschehen zu interpretieren ist, kündigt überraschende Wendungen in der Geschichte an... Wie präzise und bis ins Detail gestaltet Musik eine Filmhandlung begleiteten kann, davon kann man sich einen Eindruck verschaffen, wenn man die Untersuchung von Anselm C. Kreuzer „Filmmusik – Geschichte und Analyse“ zur Hand nimmt. Darin analysiert er bis in einzelne Takte die Musik zu „Basic Instinct“.

Film- und Fernsehmusik kann viele Formen haben. Als akustische Untermalung besitzt sie kein großes künstlerisches Eigenleben, dient der emotionalen Begleitung und spiegelt etwa die subjektive Gefühlswelt der Darsteller/innen wider. Eingängige Titelmelodien oder musikalische Leitmotive werden stärker eigenständig wahrgenommen und können so die Attraktivität eines Films steigern. Gerade für Serien sind die Titelmelodien ein wichtiger Erkennungsfaktor. Bei Musik-, Revue- oder Tanzfilmen steht die Filmmusik sogar im Zentrum des Geschehens. In der Fernseh-Werbung sind wiederum Ohrwurm-Qualitäten gefragt, um das Produkt im Gedächtnis des Publikums zu verankern.

Filmmusik wird eigens für die jeweilige Geschichte komponiert oder aus vorhandenen Musikstücken ausgewählt. Je nach Größe des Projektes sind die Etats für Kompositionen höher oder niedriger. Ob Dokumentationen oder Historienfilm, TV-Soaps oder Kino, fallen die Investitionen in Musik unterschiedlich hoch aus.

Filmmusik kann dramaturgisch in die Geschichte eingebaut sein, wie die Gesangs-Auftritte von Marilyn Monroe in „Manche mögen’s heiß“. Häufig wird aber die Musik von „unsichtbaren“ Musikern eingespielt. Dogma-Filmer/innen wiederum verwenden Musik nur dann, wenn sie real in der Szene gespielt wird. „Off“-Musik ist für Dogma-Filme tabu.

Der Film und die Musik-Industrie

Filmmusik bewegt sich im Spannungsfeld zwischen der Film/Fernsehbranche und der Musikindustrie. Musikverlage können ein hohes Interesse haben, ihre jeweiligen Hits in einem Film „unterzubringen“. Anderseits kann beliebte Filmmusik auch als CD angeboten und verkauft werden. Diese verschiedenen Produktionsformen spiegeln sich auch in der Tatsache wider, dass es jeweils einen Academy Award (Oscar) für die Original-Filmmusik und den besten Original-Song gibt. So wurden Musikikonen wie Bob Dylan (2000 für „Things have changed“ ) oder die Beatles (1970 für „Let it be“ ) mit Oscars ausgezeichnet. Bob Dylans “Knockin’ on heavens door“ lieh übrigens dem sehr erfolgreichen, gleichnamigen deutschen Film nicht nur den Titel, sondern lieferte auch das bestimmende musikalische Leitmotiv.

Erfolgreiche Frauen

1996 war ein besonderes Jahr für Filmkomponistinnen: Rachel Portman gewann für „Emma“ als erste Frau einen Filmmusik-Oscar. Im Jahr darauf wurde Anne Dudley für „Ganz oder gar nicht“ ebenfalls ausgezeichnet. Erfolgreiche Komponistinnen wie Portman und Dudley, aber auch Lisa Gerrard („Gladiator“) oder Debbie Wiseman („Tom’s Midnight Garden“) zeigen, dass sich heute auch Frauen in der Filmmusik etablieren können.
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Tätigkeit Film-Komponist/innen haben jeweils individuellen Arbeitsmethoden. Einige Komponist/innen wollen frühzeitig über das Drehbuch informiert sein, besuchen die Dreharbeiten. Andere empfinden das als hinderlich und steigen erst mit Abschluss der Dreharbeiten in den Arbeitsprozess ein.
Ausnahme: bei Musik- bzw. Tanzfilmen müssen die Musikstücke schon vor den Dreharbeiten fertig vorliegen.

Ein idealtypischer Arbeitsprozess kann wie folgt aussehen. Im Drehbuch ist in der Regel vermerkt, wo Musik eingesetzt werden soll. Der Komponist bespricht auf dieser Grundlage mit Produzentin und Regisseur, welche Farbe, welchen Stil die Musik besitzen soll, wie der Grundrhythmus des Films ist. Dabei spielt auch die Besetzung (Sinfonieorchester oder Solistin) eine Rolle, weil damit Finanzierungsfragen einhergehen. Da man Musik mit Worten schwer beschreiben kann, oder die Beteiligten sich möglicherweise dann jeweils etwas ganz anderes unter der Beschreibung vorstellen, liefert der Komponist häufig Kassetten mit Musikbeispielen aus vorhandenem Material. Auf dieser Grundlage können Regisseur, Produzentin (bei Sendern auch Producer oder Redakteurinnen) sagen: „So oder so ähnlich“ oder „So auf keinen Fall“. Der Komponist wählt bewusst Negativ-Beispiele aus, um den Einigungsprozess zu präzisieren. Teilweise werden wichtige Leitmotive für Personen oder bestimmte Handlungsstränge schon ansatzweise komponiert und angedeutet.
Auf Grundlage dieser Auswahl wird das Musikkonzept gemeinsam abgesprochen und es wird festgelegt, wie viele Musikeinsätze und in welcher Länge benötigt werden.
Liegt der Schnitt der Filmaufnahmen vor, werden dann die Filmmusiken auskomponiert und als vorläufige Fassung eingespielt.

Im Schneideraum spielt man probehalber Bilder und Töne gemeinsam ab, um Änderungen oder Korrekturen vorzunehmen, wenn die gewünschte Wirkung noch nicht erreicht wird. Erst wenn diese vorläufige Fassung genehmigt ist, erstellt der Komponist die komplette Partitur und beginnt mit der Vorbereitung der Studioproduktion.

Bei der Aufnahme wird der Komponist in der Regel dirigieren und stellt so die gewünschte Synchronität zwischen den Film-Bildern und der Musik her. Zusätzlich zu der Filmfassung werden teilweise von bestimmten Musikstücken Aufnahmen für die Trailer-Werbung, die CD-Vermarktung, für PR im Radio eingespielt.
Nach den Musik-Aufnahmen wird dann die komplette Tonmischung mit Dialogen und Geräuschen hergestellt.


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Arbeitsumfeld Die Konzeption der Filmmusik wird mit Produzent, Regie, Cutterin erarbeitet. An der Umsetzung sind Musiker/innen, bei komplexen Projekten auch Arrangeure und Musik-Cutter beteiligt, Tontechnikerinnen betreuen die Aufnahme. Sounddesigner können für die Koordination von Geräuschen und Musik, insbesondere auf Grund der Digitalisierung, verantwortlich sein.
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Anforderungen Der Komponist und Hochschullehrer Norbert Jürgen Schneider zählt in seinem Buch “Komponieren für Film und Fernsehen“ eine umfangreiche Liste von Fähigkeiten und Kenntnissen auf:
„Dazu gehören eine umfassende Musikausbildung, die Beherrschung möglichst vieler Musikinstrumente, Spiel- und Hörerfahrung im klassischen wie populärmusikalischen Bereich, stilistische Vielseitigkeit als Komponist (historische Stile der abendländischen Kunstmusik, Jazz, Rock, ethnische Musik, zeitgenössische Musik, Elektronik usw.), Erfahrungen im Chor- und Orchesterdirigieren, umfangreiches Wissen um Computer und Tonstudio-Technologie, Kenntnisse im Bereich vieler Filmtechniken und Filmgenres, eine grundlegende Neugier im Bereich neuer Medien und der neuen Musik.“
Grundlage ist also eine fundierte musikalische Ausbildung und Begabung. Schneider vertritt die Auffassung, dass je autonomer sich der Komponist zunächst als Musiker profiliert hat, als „renommierter Jazzer, Liedermacher, Dirigent, Pianist, Sänger, Rockmusiker, Song-Writer, Komponist..“, desto eigenständiger und durchsetzungsfähiger könne man dann gegenüber der Filmbranche auftreten.
Zusätzlich zu den musikalischen Kenntnissen müssen sich die Filmkomponist/innen vielfältiges Film-Wissen aneignen. Sie müssen mit der Dramaturgie und den Erzählstrukturen vertraut sein, die Aufnahmetechnik und die Abspielbedingungen kennen - denn im Kino wird Ton z.B. anders wiedergegeben wie im Fernsehen. Die akustische Umgebung: Stimmen, Geräusche muss sinnvoll integriert und in der Mischung abgestimmt werden.
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Wege zum Beruf Die beste Grundlage ist ein Musik/Kompositions-Studium. Kompositions-Studiengänge werden an einer Reihe von Musikhochschulen angeboten.
Spezialisierte Studiengänge sind:
  • Der Studiengang „Komposition für Film und Fernsehen“ an der Hochschule für Musik und Theater in München
  • Studierende, die ihr Vordiplom an einer Musikhochschule/Musikakademie abgelegt haben, können den zweijährigen Studiengang „Filmmusik/Sounddesign“ an der Filmakademie Ludwigsburg absolvieren.

An der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam wird außerdem der Studiengang „Ton“ angeboten, der Ton-Ingenieure „mit kreativen Anteilen“ ausbildet.

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Literatur Tony Thomas, Filmmusik, Die größten Filmkomponisten - ihre Kunst und ihre Technik, Wilhelm Heyne Verlag, München, 1995, ISBN 3-453-09007-1

Anselm C. Kreuzer, Filmmusik, Geschichte und Analyse, Studien zum Theater, Film und Fernsehen, herausgegeben von Renate Möhrmann, Peter lang Verlag, Frankfurt/Main, 2001, ISBN 3-631-38360-6

Norbert Jürgen Schneider, Handbuch Filmmusik, Musikdramaturgie im Neuen Deutschen Film, kommunikation audiovisuell – Beiträge aus der Hochschule für Fernsehen und Film München, Verlag Ölschläger München, 1986, ISBN 3-88295-116-8

Rolf Moser/ Andreas Scheuermann (Hrsg.), Handbuch der Musikwirtschaft, Josef Keller Verlag, Starnberg und München, vierte Auflage 1997, ISBN 3-7808-0142-6

Norbert Jürgen Schneider, Komponieren für Film und Fernsehen, Schott-Verlag Mainz, 1997, ISBN 3-7957-8708-4


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Fachverbände / Gewerkschaften Deutscher Musikrat, Weberstraße 59, D-53113 Bonn, Tel: 0228 - 2091-0, Fax: 0228 - 2091-200 , www.musikrat.de, E-Mail: info@musikrat.de
Deutsches Musikinformationszentrum www.miz.org
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Specials www.filmmusik2000.de

www.christoph-oertel.de/filmusik.html

Die nächste Filmmusik Biennale wird voraussichtlich 2004 stattfinden
http://www2.kah-bonn.de/filmmusik/0.htm
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